Süchtig nach Schönheits-OPs: Wenn es nicht bei einem Eingriff bleibt

„Ich spritze, also bin ich“ – Der Botox-Feminismus

Auf sozialen Medien ist ein offener Umgang mit Schönheitsbehandlungen Normalität. Dr. Apa Emi ist Dermatologin mit einer Zusatzausbildung in ästhetischer Medizin und die Vertrauensärztin deutscher Influencerinnen. Zu ihren Patientinnen gehören Sylvie Meis, DagiBee, Sophie Passmann und Céline Bethmann. An dieser Aufzählung fällt auf: Es handelt sich ausschließlich um Frauen. Diese präsentieren ihre Behandlungen stolz als feministisches Statement im Sinne der Wahlfreiheit der Frau. Die authentischen Bekenntnisse gelten als mutig. Barbie, das feministische Vorbild aus Hollywood, macht es vor. Einerseits können Frauen alles werden – Präsidentin, Ärztin, Richterin. Andererseits ist Barbie immer noch ein Plastikkörper – so schön wie echte Körper es niemals sein können.

An sich ist es eine positive Entwicklung, dass Menschen für Schönheitsoperationen nicht mehr verurteilt werden und offen mit dem Thema umgehen. Problematisch ist vielmehr der Blick auf das große Ganze, wenn man hinterfragt, wieso insbesondere so viele Frauen das Bedürfnis verspüren, sich operieren zu lassen.

Frauen wird immer noch beigebracht, dass Attraktivität uns die Chance auf ein glückliches, erfolgreiches Leben bietet. Nüchtern betrachtet sind ästhetische Eingriffe nur eine drastischere Weiterführung des generellen Schönheitsanspruchs an Frauen. Bei unzähligen Praktiken, wie Schminkroutinen oder der dauerhaften Körperhaarentfernung, ist niemand verwundert über den Aufwand und die Kosten, die selbstverständlich hingenommen werden. Anscheinend genügen diese mittlerweile jedoch nicht mehr. Das künstliche Schönheitsideal sorgt dafür, dass wir mit unserem natürlichen Körper nicht mehr zufrieden sein können. Gefährlich wird diese Entwicklung in Anbetracht der gesundheitlichen Risiken von Schönheitsoperationen und ihrem Suchtpotenzial.

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Bildquelle: Karelys Ruiz via Unsplash, CC0-Lizenz