The Last Duel: Beängstigend aktuell?

Jodie Comer als Marguerite de Carrouges Adam Driver als Jacques LeGris and Matt Damon als Jean de Carrouges. Bild: Patrick Redmond. © 2021 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Zugegeben, ich bin normalerweise kein großer Fan von Mittelalterspektakeln. Ein Fakt, der mich eigentlich für einen Film wie „The Last Duell“ disqualifizieren sollte. Und doch ließ mich der Film staunend und mit vielen Fragezeichen zurück. Sind wir vielleicht gar nicht so viel weiter als im 14. Jahrhundert?

Für diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben und die der Trailer eben so ratlos zurücklässt, wie mich vor ein paar Tagen, hier eine kurze Beschreibung der Handlung:

Im Groben geht es in „The Last Duel“ um das Ehepaar Marguerite (Jodie Comer) und Jean de Carrouges (Matt Damon), sowie den Knappen Jacques Le Gris (Adam Driver). Dieser wird nun von Marguerite beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Le Gris streitet dies natürlich ab. Es kommt zu Gerüchten, Fehden und einem Gerichtsverfahren, welches schließlich im Duell zwischen Jean und Jacques endet. Schnell entspinnt sich eine turbulente Handlung, die – und hier kommt der Clou – aus allen drei Perspektiven erzählt wird. Jeder der Protagonist*innen erhält also die Möglichkeit seine oder ihre Sicht der Dinge darzustellen.

Soweit so gut.

Doch nach den ersten 15 Minuten schaute ich mich das erste Mal ratlos um. Ridley Scott und die Produzenten des Films schienen unfassbar viel Wert auf ein möglichst spektakuläres Gemetzel gelegt zu haben. Es wurde geflucht, gekämpft und geblutet. Hier rollte ein Kopf, da starb ein Pferd und mir erschien der Plot unglaublich langatmig und unnötig blutig. Man kann ja gerne Schlachten darstellen, aber muss man dies auf so eine kompromisslose Art und Weise tun? Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Zuschauer*innen auch ohne diese Mengen an Kunstblut verstanden hätten, dass das Mittelalter so ganz allgemein keine sonderlich friedvolle und kuschelige Zeit gewesen ist. Egal.

Irgendwann bekommt der Film dann doch die Kurve und wer bis dahin durchgehalten hat, wird tatsächlich mit einer tiefgreifenden und nachhaltigen Handlung belohnt. Denn, das Thema könnte aktueller nicht sein.

Marguerite bezichtigt Jacques der Vergewaltigung, während ihr Mann geschäftlich unterwegs ist: Geld eintreiben, Grafen erpressen, man kennt das. Jacques gibt die Tat vor einem Geistlichen auch zu, sieht sich selbst jedoch nicht als Vergewaltiger, sondern lediglich als Ehebrecher. Und an dieser Stelle fällt ein Satz, der mich gänzlich vom schwachen Filmbeginn absehen ließ:

„Eine Vergewaltigung ist kein Verbrechen an der Frau. Sie ist eine Verletzung des Eigentumsrechts ihres Vormundes.“

Ja, ihr habt richtig gelesen. Es handelt sich hierbei um eine Denkweise, die nicht nur die damalige Problematik erklärt – es war 1384, da fragt keiner nach Feminismus –, sondern auch ein kolossales Problem der heutigen Debatte aufzeigt.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.