WarioWare: Get it Together – schnell, bunt, durchgeknallt

Bunt, verrückt, WarioWare. Bild: Nintendo

Jemandem „WarioWare“ (WW) zu beschreiben, ist so, als würde man versuchen, jemandem zu erklären, wie Eiscreme schmeckt, obwohl er sie noch nie probiert hat: Es geht eigentlich nicht. Man muss es selbst erlebt haben. WW ist, ohne Untertreibung, die lustigste, verrückteste und rasanteste Videospielreihe, die ich kenne.

Jeder kennt die sogenannten „Minispiele“ aus der „Mario Party“-Reihe: Kurze Spielchen, die nicht länger als ein oder zwei Minuten in Anspruch nehmen. WW setzt diesem Prinzip die Krone auf, denn von den sogenannten „Mikrospielen“ dauert jedes knapp fünf Sekunden. Diese Mikrospiele werden dem Spieler in hohem Tempo vorgesetzt; jedes besteht aus einem kurzen Test für eure Schnelligkeit, euer Timing und eure Auffassungsgabe.

Schnitzel, Dunking, Hosen bügeln: WTF?

Es gibt vermutlich kein anderes Videospiel auf diesem Planeten, in dem man nacheinander ein Schnitzel schneidet, einen Basketball in den Korb wirft, eine Hose bügelt, in der Nase bohrt, und anschließend als Affe nach einer Staude Bananen greift. Nein, das gibt es nur in WW. Logisch, dass man beim ersten Spielen vor dem Bildschirm sitzt und sich einfach nur fragt: „WTF?“ Und das nicht nur einmal.

Warios Gesichtsausdruck sagt: Ach, du sch… Bild: Nintendo

Aber genau das ist der Reiz von WW: Aus all seiner Verrücktheit und Schnelligkeit akkumuliert sich ein Spielvergnügen, das einem aberwitzige Stunden am Gamepad beschert. Wer sich auf der Suche nach Sinn befindet, ist hier falsch. Wer Spaß sucht, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt, jedoch goldrichtig. Und das liegt nicht zuletzt auch an den Charakteren.

„Get it together!“: Wenn schon verrückt, dann am besten gemeinsam

Denn jede Figur bringt ihr ganz persönliches Setting mit, in welches die Mikrospiele eingebettet sind. Je nach WW-Teil sind sie in Bezug auf ihre Thematik oder ihre Steuerung segmentiert. Im neuesten Teil, der nun für die Switch erscheint, legt man den Fokus auf Kollaboration – daher auch der eindeutig zweideutige Titel „Get it together!“. Hier profitiert die Switch von ihrer Zugänglichkeit als mobile Konsole, denn man kann tatsächlich zu zweit und zugleich an einem Gerät spielen. Und im Mehrspielermodus konnte WW schon immer am meisten punkten. Wenn man sich schon zum Affen macht, dann doch bitte in bester Gesellschaft.

Als seine Mutter während der Schwangerschaft versehentlich Goethes "Die Leiden des jungen Werther" verschluckte, war klar: Dieser Junge wird später schreiben. Hat geklappt! Angetan hat es ihm dabei der Spagat zwischen high culture und low culture - nichts ist zu nieder, nichts ist zu himmelhoch! Will heißen: In seinem Regal steht der Nietzsche neben dem Bruce-Springsteen-Songbook, an seiner Wand hängt Hokusais "The Great Wave" neben dem Adventure-Time-Artwork. Wenn er mal nicht in die Tasten haut, um sich (populär-)kulturellen Welten zu widmen, dann findet ihr ihn mit seinen Joggingschuhen im Grünen oder aber mit seiner Gitarre im stillen Kämmerlein.