Ich habe mich dessen bereits schuldig gemacht, so wie wohl die meisten Männer da draußen: Wenn ich nach meinem Wohlbefinden gefragt werde, dann antworte ich oft mit einem knappen „Es geht mir gut“ – ganz egal, ob es stimmt oder nicht. Zu dieser Notlüge greifen Männer nicht nur, weil sie nicht darüber reden können oder wollen. Sie wissen nämlich ganz genau, dass ihnen vermutlich eh niemand wirklich zuhören will.

Ob Familie oder Arbeit, die eigene Beziehung oder die Erwartungshaltung anderer: Es gibt viele Gründe, aus denen sich Menschen unwohl oder gestresst fühlen oder besorgt sein können. Männer bilden da keine Ausnahme, auch wenn oft der Eindruck entsteht, dass Männer es von Geburt an, in allen Belangen leichter hätten. Häufig werden sie es jedoch nicht offen kommunizieren, wenn sie mal niedergeschlagen sind oder Hilfe brauchen – wer die Zeichen nicht erkennt und tiefer nachhakt, dem mag das nie auffallen. Aber woran liegt das? Wieso können Männer nicht einfach ehrlich und direkt sein, statt unentwegt den Fels in der Brandung zu mimen?

Mein ganz persönliches Gedankengefängnis

Die Gründe dafür sind vielseitig: Dazu gehören Erziehung, Rollenklischees und wie Männer in öffentlichen Diskursen dargestellt werden – rundum sind das also vor allem externe Faktoren, die Männern seit ich denken kann und noch viel länger davon abhalten, offen über ihre Gefühle oder ihre mentale Gesundheit zu reden. Wer will denn schon „weinerlich“ sein? Ein Mann sicher nicht, sollte er doch immer rational denken – wissen statt fühlen – und ja nie zugeben, dass ihn etwas überfordert oder er Probleme hat. Also schweigt er lieber, anstatt durchblicken zu lassen, dass er vielleicht doch nicht so funktioniert, wie seine Rolle es von ihm verlangt.