Wie ist es eigentlich mit einem Millionär zusammen zu sein?

Millionärsliebe

Vom Freund zum Sponsor

Rückblickend war dieser Abstecher ins Tessin naja „bescheiden“. Bald flogen wir in den hohen Norden Schwedens, nach Kiruna, und übernachteten dort im fancy Icehotel. Da ich selbst überhaupt nicht ausgerüstet war für so einen Trip, hat mir mein Freund nicht nur das Flugticket gekauft, sondern auch gleich ein Gesamtpaket Funktionswäsche und dazu Handschuhe, die sonst wohl nur von Polarforschern getragen werden. Ich hatte plötzlich nicht nur einen neuen Freund, sondern auch einen persönlichen Sponsor. Klar war mir bewusst, dass das nicht normal ist, aber ich konnte mich immerhin damit rechtfertigen, dass es ja nicht mein Wunsch gewesen ist, nach Lappland zu reisen. Da saßen wir dann im schicken Kaminfeuer-Restaurant und aßen Elchfleisch oder ließen uns nachts von acht Huskys durch eine märchenhaft verschneite Winterlandschaft ziehen. Für viele wären es wohl Traumferien gewesen, ich konnte das alles nicht richtig genießen. Zu präsent war der Gedanke, dass all diese Erlebnisse konstruiert und gekauft waren. Nur eines ließ sich mit keinem Geld der Welt kaufen: Die Polarlichter. Und die zeigten sich nicht.

Auf diese ersten Dekadenz-Ferien im Norden folgten wenig später mehrere Kurztrips in den Süden nach Italien und im Sommer darauf nach Malaysia. Mein Freund übernahm immer alle Rechnungen und so gingen ich und mein kaputter Rollkoffer bald im Mandarin Oriental, bald im Radisson Blu, bald im Four Seasons ein und aus. Ein „einfaches“ Doppelzimmer in einem dieser Hotelpaläste war nie genug – stets bekamen wir ein Upgrade und landeten mindestens in einer Junior Suite. Da waren wir dann zu zweit in einer Suite so groß wie zu Hause meine 4-er WG und zahlten für ein Abendessen so viel, wie ich zu Hause für meine Monatsmiete. Es war ein Leben ohne Limit – dank einer American Express black, der sagenumwobenen Kreditkarte für Superreiche.

Cinderellas Traum ist eine Lüge

Immer stärker fühlte ich mich wie eine Schwarzfahrerin in meinem eigenen Leben. Wenn ich mit meinen zerfetzten Sneakers über den steril polierten Marmorboden der Hotellobby trippelte, wenn ich meinen Freund mit meiner H&M-Jacke zu Burberry begleitete oder wenn meine Hand plötzlich nicht mehr nur Schmuck von Flohmärkten, sondern auch von Tiffanys trug, dann fühlte sich das alles einfach nach fake an.
Ich erlebte Cinderellas Geschichte live: Von der armen Studentin, die ihr Geld mit 12-stündigen Promojobs im Shoppingcenter erwirtschaftete, war ich zur Prinzessin geworden, die von ihrem Freund mit schwerem Burberry Parfüm eingeräuchert wurde. Was bei Walt Disney als weichgezeichneter Traum dargestellt wird, erschien mir in der Realität zunehmend wie ein Albtraum, in dem ich erstickte. Diese Welt passte nicht zu mir und ich wollte auch gar nicht zu ihr passen. Je länger ich in ihr verweilte, desto mehr bekam ich das Gefühl, mich selbst zu verlieren, mir fremd zu werden und die ganze Zeit nur eine lächerliche Farce zu spielen.

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