Wie man keine Interviews gibt: CDU-Edition

Frauen sitzen vor Mikrofonen

Pro Sieben hat zum Town Hall Talk eingeladen. Armin Laschet hat abgesagt. Warum das politisch gesehen ein großartiger Move ist, aber auch zeigt, dass ihn die Bedürfnisse von jungen Menschen nicht interessieren.

Politik polarisiert. Das haben private Sender spätestens seit der Präsidentschaftswahl in den USA begriffen. „Männerwelten“ lief gut, #NichtSelbstverständlich schockierte und „Rechts. Deutsch. Radikal.“ barg Diskussionspotential. Von Politikmüdigkeit ist im Deutschen Privatfernsehn nichts mehr zu spüren. Stattdessen jagt ein exklusives Format das nächste, Interviews trenden und politische Einblicke sind Gold wert. Warum also das Eisen nicht formen, solange es warm ist?

In diesem Sinne bringt ProSieben nun die nächste Show an den Start. Größer soll sie werden, kritischer und privater. Doof nur, wenn gar nicht alle Spitzenkandidat*innen darauf Lust haben. Nun gut, bei der Namensgebung hätte ProSieben sich sicher mehr Mühe geben können, denn die „ProSieben-Bundestagswahl-Show“ mit Louis Klamroth klingt tatsächlich nicht sonderlich sexy, aber ist das gleich ein Grund abzusagen? Denn wo Anna-Lena Baerbock und Olaf Scholz sofort zustimmten, machte Armin Laschet einen Rückzieher.

Warum das?

Politisch gesehen, eine Meisterleistung. Denn wenn man sich mal in die Rolle seiner Wahlkampfmanager versetzt, dann hat der liebe Armin hier sehr viel zu verlieren, aber nichts zu gewinnen. Man ist sich darüber bewusst, dass die Menschen, welche Laschet wählen, nicht unbedingt die Zielgruppe von ProSieben sind und auch private Informationen gibt der Kanzlerkandidat nur sehr ungerne Preis. Warum also zu ProSieben gehen, wenn der beste Outcome wäre, dass er sich nicht blamiert? Auf der anderen Seite wäre es natürlich ein schönes Zeichen für die jüngeren Wähler*innen gewesen. Also Menschen, wie mich zum Beispiel. Denn selbst, wenn ich mich bis hierher nicht wirklich repräsentiert gefühlt habe, so sagt mir spätestens die Absage bei ProSieben, dass sich Laschet tatsächlich so gar nicht für meine Meinung interessiert. Klassisches Pareto Prinzip. Lieber die einfachen Stimmen der älteren Bevölkerung mitnehmen, als jetzt auch noch anzufangen Arbeit in die Jugend zu stecken. Ist ja schließlich auch nur meine Zukunft, um die es hier geht.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.