Sex und Soda: Voyeurismus – spannend oder gruselig?

In dieser Kolumne schreibt Mila Bach über die prickelnden und weniger prickelnden Momente im Leben. Diesmal geht es um Voyeurismus.

Die Lust anderen beim Sex zu zuschauen ist in der Gesellschaft eher verpönt. Man denkt sofort an Spanner und gruselige Typen. Aber unter gewissen Umständen kann es auch sehr spannend sein. 

Voyeurismus bedeutet, dass man sexuelle Lust dabei empfindet, wenn man anderen Menschen beim Sex zusieht oder sie beobachtet, wenn sie nackt sind. Das hat erstmal einen üblen Beigeschmack. Denn es klingt nach einem unattraktiven Mann mittleren Alters, der hinter einem Baum steht und jungen Menschen beim Spaßhaben zusieht. Das muss es aber nicht sein. Wenn alle davon wissen und man es nicht heimlich macht, kann es auch sehr aufregend sein.

Besser als jeder Porno

Wenn man genau darüber nachdenkt, sind Pornos das Sinnbild von Voyeurismus. Es ist noch gar nicht so lange her, da haben Menschen viel Geld bezahlt, um anderen Menschen auf dem Bildschirm beim Sex zuzusehen. Mittlerweile kann man ja in wenigen Sekunden alles im Internet finden, was einen erregt. Das Prinzip ist aber immer das gleiche: Man sieht anderen dabei zu und bekommt selbst Lust. Tatsächlich finde ich es auch sehr spannend vor allem mit dem Partner oder der Partnerin Pornos zu schauen. Zwar dauert es (zumindest bei mir) lange, bis man sich für einen entschieden hat, aber danach freut man sich umso mehr über eine heiße Vorlage. Trotzdem hat es einen ganz anderen Reiz, wenn man live anderen Menschen dabei zusieht. Und wer dafür nicht gleich in den Swinger-Club rennen will, kann das auch privat bei einem Dreier machen. Vorausgesetzt man steht drauf. Für mich war es eine sehr schöne Erfahrung zwei Menschen aus nächster Nähe zuzusehen und mich für einen Moment zurückzunehmen. Es hat einen ganz besonders Reiz und war sehr intensiv. Da kann der beste Porno nicht mithalten. 

Piep-Show der Nachbarn 

Das letzte Mal konnte ich auch noch eine ganz andere Form des Zuschauens erleben. Ich stand mit meinem Freund am Fenster und wir haben uns umarmt. Dabei konnte ich in das Fenster der Nachbarn sehen und sah einen Typen auf dem Bett liegen. Er sah mich an und winkte mir zu. Freundlich wie ich bin, winkte ich zurück. Dann holte er auch seine Freundin ans Fenster, die mir ebenfalls zuwinkte. Und dann passiert es: Sie machten heftig miteinander rum und zogen sich aus. Mittendrin schauten sie immer wieder zu uns. Ich konnte das zuerst gar nicht glauben und dachte, sie machen einen Scherz. Aber falsch gedacht. Schnell waren sie nackt und boten uns einen richtigen Nachbarschaftsporno. Sie machten es in jeglichen Stellungen und schauten immer wieder zu uns, ob wir noch zusehen. Während mein Freund schnell das Interesse verlor, war ich total neugierig und wollte sehen, was sie machen. Ich war eine Mischung aus entsetzt und erfreut. Und ich fand es wahnsinnig mutig, dass sie ihre Sexualität so vor uns ausleben und sie es anscheinend besonders reizvoll fanden, dass sie jemand anderes beobachtet. Mir ist es ja schon unangenehm, wenn die Nachbarn mich hören können. Nach circa einer halben bis dreiviertel Stunde waren sie fertig und lagen noch kuschelnd am Bett. 

Die richtige Dosis 

Man merkt: Voyeurismus bedeutet nicht zwangsläufig ekelhafte Vorlieben zu haben. Nicht jeder Fetisch ist auch unbedingt sehr ausgeprägt. Ich fand es zum Beispiel spannend meine Nachbarn zu beobachten, aber würde mich nicht wohl dabei fühlen, wenn ich im gleichen Raum wäre (und nur zum Zusehen da bin). Das spricht mich persönlich gar nicht an. Und ich würde es zum Beispiel auch nicht so prickelnd finden, wenn mich jemand beim Sex beobachtet. Trotzdem glaube ich, dass ich an fast allem einen Reiz entdecken kann. Es kommt nur auf die Dosis an. Ich kann euch aber empfehlen: Haltet mal die Augen offen, was eure Nachbarn so treiben. Denn wenn sie die Vorhänge offen lassen, wisst ihr Bescheid. Sie wollen Zuschauer!   

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Bildquelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay; CC0-Lizenz