Sex und Soda: Was ist euer Problem mit Age Gap Relationships?

Paar sitzt auf einer Bank und schaut über das mehr

In dieser Kolumne geht es um die prickelnden und weniger prickelnden Momente im Leben. Diesmal lautet das Thema: Beziehungen mit großem Altersunterschied, sogenannte Age Gap Relationships.

Im Grunde begann alles ganz harmlos. Ein Match auf Tinder, ein paar interessierte Nachrichten, der Versuch eines Flirts. Die Energie stimmte und ich war neugierig. Der Mensch auf der anderen Seite des Bildschirms war smart, witzig und dreist. Ein Wort ergab das andere und schnell war uns beiden klar: Wir müssen uns kennenlernen!

Wenige Tage später setzte ich mich also ins Auto und machte mich auf den Weg zu ihm. Der Tag war stressig gewesen und ich war nicht wirklich dazu gekommen mich umzuziehen. Nicht, dass mich das bei Dates normalerweise noch groß interessieren würde. Ich war seit etwas über einem Jahr Single und genoss die Zeit. Ich liebte es zu flirten, neue Menschen kennenzulernen und auch Tinder als Medium passte mir sehr gut. Die Hürden waren niedrig, die Chance auf neue Begegnungen hoch und selbst, wenn ein Date mal nicht so verlief, wie man es sich erhoffte, so hatte man hinterher wenigstens eine gute Geschichte für den nächsten Mädelsabend auf Lager.

Wirklich schlechte Erfahrungen hatte ich noch nie gemacht und so war ich mit der Zeit immer mutiger geworden. Hatte meine üblichen Muster verlassen und machte mir nicht mehr vor jedem Treffen stundenlang Gedanken, ob ein Pferdeschwanz oder Lippenstift nun über den Erfolg des Dates entscheiden würden. Er hatte mir seine Adresse geschickt und mindestens acht Mal versichert, dass er bestimmt kein Kettensägenmörder sei. Zur Untermauerung dieses Versprechens hatte er mir auch gleich all seine Social-Accounts, sowie die Website seines Arbeitgebers geschickt. Ich musste grinsen. Von manchen Typen, mit denen ich mich getroffen hatte, weiß ich bis heute nicht mal den Nachnamen. Dank seines Xing-Accounts kannte ich nun bereits seinen Lebenslauf auswendig.

Ich trug eine schwarz-graue Bluse und eine schwarze Boyfriend-Hose, dazu meine DocMartens. Ein Outfit, über das er heute diplomatisch behauptet, es würde meiner Figur nicht gerecht. Ich parkte mein Auto in der Einfahrt und lief Richtung Haustür, dann klingelte ich. Die Fahrt hatte doch länger gedauert als erwartet und ich merkte die drei Tassen Kaffee, die ich mir zuvor genehmigt hatte. Ich trat vom einen Bein auf das andere, der Buzzer ging und ich stürmte in den Hausflur. Im Erdgeschoss öffnete sich eine Tür und ein blonder Kopf mit unfassbar blauen Augen drehte sich grinsend zu mir um: „Hey!

Ich war verwirrt. Dieser Kerl sollte wirklich schon Anfang 40 sein? Ich hatte mir aus Alter noch nie etwas gemacht. Weder bei Dates, noch im Freundeskreis. Wenn es passte, dann passte es eben und schließlich waren wir ja auch nicht mehr in der Schule, wo man Menschen aufgrund ihres Alters zwang, miteinander befreundet zu sein. Aber der Mann, der da vor mir stand und mich mit strahlend weißen Zähnen anlächelte, konnte doch wirklich nicht älter als Mitte 30 sein. Meine volle Blase holte mich in die Realität zurück und ich löste mich aus meiner Schockstarre. „Hey! Du, ich weiß, das ist furchtbar unhöflich, aber ich muss ganz arg dringend auf Toilette. Zu viel Kaffee, sorry!“ Er lachte: „Na dann komm mal rein, erste Tür links.“

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.