Dermot KennedyDublinMusikTour

#FragenNachZahlen mit Dermot Kennedy: „What’s your most useless talent?“

Über ein Talent, das er zwar auf der Bühne nicht braucht, aber doch ziemlich cool ist und was hinter der Bühne nie fehlen darf.

Eine Stimme wie Wellen, die an der rauen, irischen Küste zerschellen. Ein schelmisches Grinsen und der Charme eines kleinen, frechen Jungen. Das ist Dermot Kennedy, der mit seinen Hits „Power over me“ und „Outnumbered“ in Nullkommanichts die europäischen Charts eroberte und gerade um die Welt tourt. Vor seinem Konzert in München hat er uns in Jogginghose und mit Ingwer-Zitronen-Tee in der Hand (diese Stimme will gepflegt sein!) zum Interview begrüßt und verraten, was bei ihm Backstage nie fehlen darf, was er an der Zeit als Straßenmusiker geschätzt hat und wieso Dublin die perfekte Stadt ist, um keinen Plan zu haben.

 

ZEITjUNG: Na, schon nervös vor Abend?
Dermot Kennedy: Tatsächlich nicht. Wir spielen so viele Shows… Ich will nicht sagen, dass ich mich daran gewöhnt habe, das würde so gelangweilt klingen. Aber so richtig nervös werde ich nicht mehr, mittlerweile ist es einfach eine aufregende Vorfreude. Früher war ich aber immer total nervös.

Hattest du da ein Rezept, um runterzukommen?
Naja, es ist viel zu einfach zu sagen: Atme tief durch, bleib fokussiert, etc. Aber für denjenigen, der gegen Nervosität kämpft, ist das voll schwer anzuwenden. Ich habe es, glaube ich, damals einfach akzeptiert, denn es gibt ja der Show auch einen zusätzlichen Kick.

Was machst du sonst vor einem Auftritt?
Ich singe mich zwei Stunden vorher ein und wärme mich auf. So kann ich kurz vor der Show nochmal chillen. Manchmal trinken wir auch einen guten Whiskey, der ist perfekt um sich ein bisschen zu schocken und aufzuwecken.

Warst du denn schon mal betrunken auf der Bühne?
Nein. Okay vielleicht ein, zwei Mal (lacht). Aber ich mache das eigentlich nicht. Du fühlst dich wie der Größte, aber eigentlich kommt am Ende nichts Gutes dabei raus.

Darf denn irgendetwas Backstage nicht fehlen?
Ein Wasserkocher – ich weiß, das klingt total langweilig, aber ich trinke den ganzen Tag Tee. Und einen Dampf-Inhalator habe ich auch, das ist voll gut für die Stimme und den Hals.

Was trinkst du für einen Tee?
Der heißt ‚Throat Coat‘ und ich kaufe ihn immer in Amerika. Der schmeckt nach Lakritze und sonst ganz viel gutem Zeug.

Mit deinem Debüt-Album bist du direkt auf Platz 1 der Charts gelandet. Wie war das für dich?
Das ist echt crazy! Ich habe so lange an dem Album gearbeitet, ich kenne es mittlerweile so gut. Das ist ein unglaubliches Gefühl, wenn dieses Album dann endlich veröffentlicht wird und es alle Menschen hören können. Als ich in England, als erster Ire seit 20 Jahren, die Nummer Eins wurde, war ich gerade in Minneapolis auf einem Gig. Das fand ich sehr schade, ich wäre gern vor Ort gewesen, um zu feiern. So fühlte sich halt alles ein bisschen weit weg an. Allerdings will ich mich auch gar nicht zu festfahren, in die ganze Erfolgsthematik, ich will mich auf meine Musik konzentrieren.

Was ist die krasseste Veränderung seither?
Dass wir jetzt so riesige Shows spielen und dauernd unterwegs sind. Ich fühle mich überhaupt nicht wie ein Celebrity oder so, deshalb ist meine kleine Crazyness einfach das Touren, weit weg von Zuhause und ständig vor so vielen Menschen zu stehen.

Vermisst du denn dein Zuhause, jetzt da du so viel unterwegs bist?
Immer. Dieses Mal war’s besonders hart zu gehen, weil ich – als die Tour in Amerika startete – realisierte, dass ich sicher drei Monate nicht zuhause sein werde. Und das in einem Jahr wo ich eh schon total viel weg war. Da fühlen sich drei Monate dann schon lang an. Aber ich werde jetzt an Weihnachten in Irland sein, wir spielen am 22. und am 23. zwei Shows in Dublin.

Was magst du an Dublin am liebsten?
Dublin ist die perfekte Stadt, um keinen Plan zu haben. Du kannst einfach rumlatschen, in irgendeinem Pub sitzen und einen unglaublich guten Abend verbringen. Und niemand würde dir je sagen, du sollst genau da hin gehen. Aber ich liebe natürlich auch die Menschen und wie sich da alles vertraut anfühlt. Und wir Iren haben den sarkastischsten Humor der Welt.

Wie schaffst du es, unterwegs ein Gefühl von Heimat zu bekommen?
Ich finde das sehr schwierig, es gelingt mir fast nie. Aber manchmal mache ich den Trick von Lebron James, der reist immer mit einer Kerze, an deren Geruch er sich mittlerweile so gewöhnt hat, dass jedes Hotelzimmer dann vertraut riecht, sobald er sie anzündet.

Kommen denn manchmal Freunde von dir mit auf Tour?
Die kommen einfach, wenn wir irgendwo in der Nähe von Irland spielen, also z.B. in London oder Amsterdam. Aber ich freue mich jedes Mal riesig, denn wenn ich zuhause bin, verbringe ich meistens Zeit mit meiner Familie und komme gar nicht dazu meine anderen Freunde zu sehen. Meine Familie kam schon nach New York, Wien und Milano, die wollen auch immer ein paar Gigs der Tour sehen.

Du hast in Dublin als Straßenmusiker angefangen. Wie war das für dich?
Es war okay, aber ich vermisse es definitiv überhaupt nicht. Du bist auf der musikalischen Leiter einfach ganz unten, das ist schon hart. Andererseits konnte ich mir so mein Leben finanzieren, musste keine Stundenanzahl einhalten oder auf einen Boss hören. Wenn du’s richtig machst, ist das Geld nämlich echt nicht schlecht. Und es ist natürlich toll, zwischendurch mit den Menschen quatschen zu können, das ist mittlerweile on Stage eher eine einseitige Angelegenheit. Was aber schön ist: Es kommen jetzt Leute zu meinen Gigs, die mich damals auf der Straße schon gesehen haben.

Hat sich das Musikschreiben seither für dich verändert?
Naja, das erste Album ist total inspiriert von meinen Lebenserfahrungen. Da gab es enorm viel zu schreiben und verarbeiten. Jetzt ist mein Leben aber auf Tour in einem Bus, da gibt es nicht mehr so viel Inspirierendes, um neue Musik zu schreiben. Deshalb gebe ich mir Mühe, zwischendurch mal in ein Museum zu gehen, oder ins Kino oder was zu lesen. Um irgendwann neue Musik schreiben zu können, muss ich offen bleiben für alle Erfahrungen, und nicht einfach in einer Tour-Bubble leben.

Was machst du, wenn du mal eine Schreibblockade hast?
Das hatte ich zum Glück noch nie so krass. Aber wenn’s passiert, dann höre ich mir Poetry Slam im Internet an. Am meisten mag ich den „Black Eyes“, der ist so krass gut.

Und was sind deine nächsten Pläne?
Über Weihnachten bin ich zuhause, dann geht im Januar die nächste Tour schon wieder los. Wir sind dann sicher bis Oktober 2020 unterwegs. Und dann iiiirgendwann, wenn die Tour vorbei ist, kann ich über Album Nummer Zwei nachdenken.

 

#FragenNachZahlen

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Titelbild: Universal Music

Beitragsbild: privat

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