12 Fragen, 12 Antworten: Zivilcourage – Wie kann ich helfen?

Zivilcourage Gesellschaft Streit Solidarität

Ich sitze hinten im Auto und glotze ein wenig aus dem Fenster, als wir an einer roten Ampel stehen. Dann sehe ich, wie zwei alkoholisierte Männer vor einer Kneipe gerade am Streiten sind. Der eine hat lange graue Haare und kniet auf dem Boden, während ein anderer, glatzköpfiger Typ ihm in die Haare fasst und gewaltsam daran zerrt. Er brüllt und schleudert den Kopf des Mannes hin und her, ist vollkommen außer sich und tritt ihm schließlich ins Gesicht. Die Kneipenbesitzerin und die Freundin des Glatzkopfs versuchen, die beiden Männer auseinanderzuziehen, während ein anderer Mann am Tisch sitzen bleibt und den Boden seines Bierkrugs inspiziert. Schließlich steht der langhaarige Mann auf und geht seiner Wege. Wie versteinert beobachte ich die Szene und frage mich, ob ich hätte eingreifen sollen.

Darauf weiß Kriminalrat Arno Helfrich von der Bayerischen Polizei Antwort zu geben. Er leitet seit 2003 das Kommissariat für Prävention und Opferschutz beim Polizeipräsidium München. Im Gespräch mit ZEITjUNG erklärt er, wann wir bei öffentlichen Auseinandersetzungen am besten dazwischengehen sollten, wie wir den Tätern bestmöglich begegnen und was wir realistisch für die Opfer tun können.

  • Zivilcourage Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

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    Ich habe vor Kurzem eine Schlägerei zwischen zwei Betrunkenen gesehen. Generell wird man ja manchmal Zeuge eines Streits. Wann sollte man dazwischengehen? Gibt es Anhaltspunkte?

    Arno Helfrich: In dem Fall ist Dazwischengehen wohl nicht die glückliche Entscheidung. Wenn sie zwei Betrunkene haben, weißt man ja nicht, wie die reagieren. Die Erfahrung sagt, dass sich dann zwei Kontrahenten ganz gerne vereinen und dann den Dritten, der sich eigentlich kümmern will, aufs Korn nehmen. Im Grunde genommen macht es keinen Sinn, sich körperlich einzubringen, sondern sinnvoll wäre gewesen, einfach die Polizei anzurufen in dem Moment. Das Handy hat man dabei, die 110 funktioniert, es gibt Nothilfeeinrichtungen, wo man rund um die Uhr die Polizei verständigen kann. Was man tun könnte, ist demjenigen, der dieser Schlägerei ausgesetzt ist, zu signalisieren, dass Hilfe unterwegs ist. Das ist so eine grundsätzliche Geschichte: sich nicht um die beiden Raufbolde zu kümmern, sondern ums Opfer.