15 Fragen, 15 Antworten: Sexarbeiterin Salomé Balthus im Interview

Salomé Balthus lehnt in schwarzem Oberteil mit zurückgegelten Haaren an einem Kissen mit einem Sofa im Hintergrund

Sie selbst nennt sich Prostituierte, würde sich aber auch nicht angegriffen fühlen, wenn man sie als Nutte oder Hure bezeichnet. Salomé Balthus lebt in Berlin und ist Sexarbeiterin und Journalistin, sie hat unter anderem eine Kolumne für die Süddeutsche Zeitung geschrieben. Wir haben uns mit Deutschlands bekanntester Sexarbeiterin über Sprache und Sex, Schubladendenken und sexuelle Gewaltfantasien unterhalten.

Zeitjung: Wie wichtig ist Sprache in deiner Arbeit?  

Salomé: Sprache ist ja im Prinzip alles. Selbst dann, wenn die Kommunikation nonverbal vonstattengeht, also wenn man zusammen im Bett Sex hat, spricht man miteinander. Das Ganze hat ja einen Rahmen von Kommunikation. Sprache ist sogar noch wichtiger als alle körperlichen Voraussetzungen.  Um die nötige Bindung entstehen zu lassen  und als Mittel der Verführung. Sprache ist das Wichtigste.  

Inwiefern hat Sprache einen Einfluss auf unser Sexualverhalten?  

Da würde ich wiederum sagen, dass da eigentlich das Nonverbale, was nicht gsagt und tabuisiert wird, entscheidend ist. Die Dinge, über die man mit uns als Kindern nicht spricht, die man nicht aussprechen darf. Ich glaube das hat eine viel stärkere Wirkung auf unser Verhalten. Also alles Unterbewusste, was nicht zur Sprache kommt.  

Wie genau wirkt sich die Tabuisierung dann darauf aus, wie wir Sex haben?  

Naja, dass wir dann nicht richtig formulieren und denken können, was wir wollen. Dass wir uns nicht einmal bewusst machen können, was da passiert. Ich spekuliere hier aber, mir selbst ging es nie so. Ich hatte ein ziemlich entspanntes Elternhaus, ich komme aus einer Familie von Hebammen, die da recht lustig und offen waren.  

Gehen wir ein bisschen mehr auf deine Arbeit ein. Gibt es Dinge die du oft sagen sollst oder bei denen du merkst, dass sie gut ankommen? Gibt es Aussagen, die Kund*innen von dir verlangen?  

Verlangen tut schon mal gar niemand etwas von mir. Ich merke, das kommt gut an, wenn ich diese Person von Anfang an entspanne und sage, dass es keine Tabus gibt und ich mich für seine*ihre erotischen Fantasien interessiere. Ich frage auch, welche Pornos jemand schaut. Ich frage nicht, ob jemand Pornos schaut, weil ich davon ausgehe, dass alle erwachsenen Menschen Pornos schauen, wenn sie nicht gerade kein Internet haben (lacht). Das ist ganz normal. Dann nehme ich da das Tabu schon einmal weg und dann kann man darüber sprechen, was man dort sieht. Und ich rede von mir, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, genauso frei von sich zu sprechen.  

Salomé Balthus schaut mit zurückgegelten Haaren und stark geschminkten Augen in die Kamera während sie schräg auf einem Tisch lehnt

 
Was sagst du in so einer Situation? 

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