Drei Frauen sitzen in einem Feld und lachen zusammen.

Soziale Anerkennung, das Gefühl von Bestätigung und Sympathie wirkt wie eine Droge, die uns glücklich und süchtig nach mehr macht. Fehlt uns diese Anerkennung, fühlen wir uns schnell unsichtbar, antriebslos und unzufrieden. Aber warum sind wir emotional so abhängig von dem Lob anderer?

Als soziales Wesen sehnen wir uns danach, von der Gemeinschaft akzeptiert und geliebt zu werden. Wenn das Gefühl von Harmonie und Anerkennung bedroht ist, empfinden wir das als existenzielle Krise, denn nur in der Interaktion mit anderen können wir unsere Persönlichkeit ausleben und entwickeln. Dieser Drang kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass wir uns selbst und unsere Identität aufgeben, um anderen zu gefallen. Der Grundstein dieser Angst wurde schon im Kindesalter geformt. In dieser Zeit befinden wir uns in einer ständigen Abhängigkeit von unseren Eltern. Diese Abhängigkeiten waren schon immer mit Bedingungen verbunden – Essen durftest du erst, wenn du Hände gewaschen hast oder in Anwesenheit von Autoritätspersonen musstest du stets höflich sein und durftest keine Widerworte geben.

Diese Anforderungen lösten einen Verbesserungstrieb aus, um dir weiterhin der Liebe und Aufmerksamkeit deiner Eltern sicher zu sein. Du fragst dich also: „Was kann ich besser machen?“ Damit einhergehend stellst du dir die Frage: „Warum sind die anderen besser, schlauer, fleißiger als ich?“ Anerkennung geht also auch immer mit dem Vergleich von Verhaltensweisen einher. Diese Denkweise führt oft zu einem geringeren Selbstwertgefühl, welches insbesondere dann geschwächt wird, wenn du bestimmte Anforderungen oder Talente nicht besitzt. Wenn du dich daraufhin sozial ausgegrenzt fühlst, verkümmert dein Motivationssystem und du wirst im schlimmsten Fall krank, antriebslos und aggressiv.

Es klingt vielleicht zunächst verwunderlich, aber zwischen Aggressivität und Anerkennung besteht ein entscheidender Zusammenhang. Bist du einen gewissen Zeitraum lang sozial isoliert, sehnst du dich nach Gemeinschaft, – egal nach welcher. Es ist also nicht besonders verwunderlich, dass die Mitglieder von terroristischen oder rechtsextremen Gruppierung im Vorfeld oft sozial ausgegrenzt wurden. Solche Gruppen suchen spezifisch nach jungen Menschen, die sich einsam fühlen, weil sie von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Innerhalb dieser Kreise erhalten sie dann die Anerkennung, nach der sie so sehnlichst streben.

Was passiert im Gehirn?

Unser Gehirn sehnt sich nach Anerkennung und intakten zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Ort in unserem Gehirn, der für dieses Gefühl verantwortlich ist, ist derselbe, der Menschen drogensüchtig macht. Es handelt sich um eine Struktur in der Mitte des Hirns, dessen Nervenzellen den Botenstoff Dopamin ausschütten. Dieser Stoff löst in uns ein Gefühl von Stärke und Glück aus, welches uns antreibt und motiviert. Laut neurobiologischen Studien wird das Motivationssystem von nichts so sehr aktiviert wie von dem Gefühl, sozial anerkannt zu werden. Selbst ein freundlicher Blick oder ein kleines Lob löst Dopamin aus, was uns glücklich und zufrieden macht. Je stärker das Signal der Zuneigung ist, desto mehr Botenstoffe werden ausgeschüttet. Trotzdem unterscheiden sich Menschen individuell im Bezug darauf, welche Art von Anerkennung sie von anderen benötigen, – je nachdem, welche Erfahrungen sie gemacht haben.

Wie überwinde ich meine Selbstzweifel?

Ob wir mit unseren Erfolgen im Leben zufrieden sind, hängt von unserer subjektiven Haltung ab. Du kannst also noch so erfolgreich in deinem Beruf sein oder ein vollkommen intaktes Liebesleben führen, wenn du dich mit Selbstzweifeln lähmst und denkst, du wärst nicht gut genug, wirst du so lange nach Bestätigung und Anerkennung suchen, bis dich die Suche krank macht. Es ist also wichtig, sich zunächst der größten Kritiker*in zu stellen: Sich selbst.

Denn nur, wenn man anfängt, sich selbst wertzuschätzen, schafft man es, dass man die Anerkennung von anderen annehmen kann. Wir müssen anfangen, unsere individuellen Stärken und Schwächen zu akzeptieren und zu lernen, dass man den eigenen Wert nicht von dem Lob außenstehender abhängig machen sollte. Natürlich ist es schön, Komplimente für die eigene Persönlichkeit oder spezifische Stärken zu bekommen, jedoch solltest du dich von dem Gedanken emanzipieren, dass deine bloße Existenz in Abhängigkeit zu der Sichtweise von anderen Menschen steht. Du musst nicht von allen gemocht oder akzeptiert werden – viel wichtiger ist, dass du dir selbst öfter mal sagst: Ich bin stolz auf mich – und das ist vollkommen ausreichend.

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Bildquelle: Foto von Priscilla Du Preez von Unsplash; CC0-Lizenz