CDU-Genderverbot: Echt jetzt?

Frau vor ihrem Laptop mit erhobenen Händen als Geste der Verwirrung

Die CDU hat für ihren Wahlkampf das Genderthema für sich entdeckt. Wenn es nach Merz, Ludwig, Ploß und der ganzen Hamburger CDU geht, soll jetzt ein Verbot gendergerechter Sprache in Medien und staatlichen Einrichtungen her. Auch der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) sammelt in einer Petition Stimmen gegen den Genderzwang, zum Beispiel an Universitäten. Genderzwang? Habe ich als Studentin etwas verpasst?

Für diesen Artikel habe ich mich extra an den Abendbrottisch gesetzt, denn nur dorthin gehört gendergerechte Sprache (wie ich sie hier verwende) laut Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß. Kurz vorweg: Es geht hier nicht vordergründig um die Debatte „Gendern ja / nein, und wenn ja, wie?“. Diese Diskussion ist groß und in bestimmten Bereichen auch extrem komplex, denn es geht um gesellschaftliche Veränderung, Sichtbarkeit von Minderheiten und diskriminierenden Strukturen, Barrierefreiheit etc. In diesem Artikel soll es speziell um die politischen Argumente im beginnenden Wahlkampf gehen und warum vielen in der CDU auf einen vermeintlichen Zwang zum Gendern eigentlich nur eine Verbotsforderung einfällt.

Gibt es einen Genderzwang an Universitäten?

In meiner Zeit an der Uni wurde ich nie zum Gendern gezwungen, was natürlich nicht bedeutet, dass es nicht auch andere Fälle geben kann. Tatsächlich geben immer mehr Universitäten Leitfäden für eine gendersensible Sprache heraus. Das betrifft in den meisten Fällen aber erstmal nur interne Kommunikation, also für offizielle Anschreiben und Dokumente. Eine Reaktion der Universitäten als öffentliche Institutionen ihre Verantwortung wahrzunehmen, all ihre Studierenden anzusprechen. Die Studierenden selbst betrifft das in der Anfertigung von Hausarbeiten oder Ähnlichem bisher aber kaum. Es gibt Institute, die in ihren Leitfäden und Vorgaben zu Abgaben auch Vorschläge zu gendergerechter Sprache machen, weil es schlichtweg zum Fachinhalt gehört, sensible Sprache in den Fokus zu rücken. Und einige geben diese Leitfäden genauso heraus wie Vorgaben zu Zitationsstil oder Zeilenabstand. Der einzige Unterschied: Für nicht gegenderte Sprache gibt es keinen bekannten Fall, bei dem belegt ist, dass es negative Auswirkungen auf die*den Student*in hatte. Von einem Genderzwang kann also keine Rede sein, viel eher ist es für viele Leute im universitären Kontext inzwischen einfach normal, in ihren Arbeiten gendergerechte Sprache zu verwenden.