Contra: Es lebe der Streit!

Nilam Farooq als Naima Hamid in CONTRA. © 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Die junge Naima Hamid (Nilam Farooq) hat es aufgrund ihrer Nationalität schwer, in Deutschland fußzufassen. Als sie dann auch noch ihr Professor Richard Pohl (Christoph Maria Herbst) im Vorlesesaal vor versammelter Mannschaft bloßstellt, reicht es ihr! Sie meldet sich für den ausgeschriebenen Debattierwettbewerb an. Nur blöd, dass ihr Mentor eben jener Professor ist, der sie das Debattieren lehren soll.

„Wissen Sie, ich mag Sie nicht!“ – „Sagen Sie nicht ‘Ich mag Sie nicht’. Das hat keine Schlagkraft. Sagen Sie: ‘Sie haben nichts an sich, was man mögen könnte’.“

Gewitzt, klug, äußerst charmant – das sind die drei Worte, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an den Film “Contra” denke. Der Film ist wirklich lustig, aber nicht nur das. Die Geschichte besitzt auch eine tiefere Ebene. So gewinnt der zynische und unleidige Professor im Laufe der Geschichte an Kontur. Und auch Naima (gespielt von Nilam Farooq) entwickelt sich zu einer starken Persönlichkeit. Es macht einfach Spaß, den Figuren beim Streiten und Debattieren, beim Lachen und Weinen zuzusehen.

Wir haben Nilam Farooq zum Interview getroffen und mit ihr über den Film geredet.

ZEITjUNG: Wie kamst du an die Rolle der Naima Hamid und wie verlief das Casting?

Nilam: Ich habe ganz normal eine Anfrage für ein Casting bekommen. Da hieß es, Sönke Wortmann macht einen neuen Film. Da bekam ich sehr weitaufgerissene Augen und war sofort interessiert. Ich habe ja 7 Jahre lang bei SOKOLeipzig mitgemacht und bin dort dann rausgegangen und habe so ein bisschen auf diese eine Rolle gewartet, die einen selbst mehr hervorhebt, und als ich das Drehbuch zu “Contra” gelesen habe, wusste ich, das könnte so eine Rolle sein. Dann war da noch das Thema des Alltagsrassismus und schließlich habe ich den Namen Christoph Maria Herbst gehört und dann war ich völlig so: Das oder kein anderes! Ich muss diesen Film bekommen! Und dann bin ich zum Casting gegangen und war sehr aufgeregt. Sönke war auch bei der ersten Runde mit dabei und dann ist etwas passiert, was noch nie zuvor passiert ist. Normalerweise gehst du danach nach Hause und es heißt „Wir melden uns“ oder „Du hörst von uns in drei Wochen“, wenn überhaupt, und Sönke hat direkt beim Casting zu mir gesagt: „Na dann sehen wir uns in Köln beim Recall mit Christoph.“ Am Ende hat es auch noch mit dem Recall geklappt und dann durfte ich dieses tolle Projekt machen.

ZEITjUNG: Namia ist Araberin und wird deswegen auch oft mit Vorurteilen konfrontiert. Im wahren Leben hast du pakistanische und polnische Wurzeln. Ist dir da im Alltag auch schon einmal Rassismus begegnet?

Nilam: Ja. Jetzt nicht in der Größe wie es im Film dargestellt wird, aber so Alltagsrassismus ist schon immer da. Ich hatte immer ganz lange kein Wort dafür, denn ich wusste nur, irgendetwas hört sich komisch an, wenn Leute sagen: IHR (will sagen: Nichtdeutschen), oder bestimmte Fragen stellen und irgendwann habe ich dann begriffen, ah, das ist Alltagsrassismus und das erlebe ich auch. Aber so große schlimme Sachen sind mir nicht passiert. Es ist oft eher so eine Unbeholfenheit von Leuten, die ihre Fragen komisch stellen. Und dann kann man sie gut darauf hinweisen, wenn es wirklich nett gemeint ist. Ich glaube, man muss immer die jeweilige Situation einschätzen.

ZEITjUNG: Wo hast du dich dann persönlich in der Rolle der Naima wiederfinden können?  

Nilam: Einmal die Art und Weise, wie sie drauf ist. Dass sie zwar eine respektvolle Person ist, aber sich nichts von jemandem, der in einer höheren Position zu sein scheint, sagen lässt und sich nicht so über den Mund fahren lässt, sondern schon ihre eigene Meinung hat. Und auch, dass wir beide irgendwie sehr selbstständige Frauen sind, die Bock auf den Weg haben, den sie sich ausgesucht haben und diesen einfach gehen. Sie als Anwältin und ich als Schauspielerin. Das hätte auch alles anders laufen können. Sich bei einer Sache, die man wirklich will, reinzuhängen, ich glaube, das ist es, was uns verbindet.

Als Bücherwurm das Licht der Welt erblickt, verzehrt sie auch heute noch Kästner, Precht und Heidegger zum Frühstück. Auf der Suche nach der perfekten Metapher treibt sie das Fernweh in die schönsten Schlupfwinkel der Erde. Wenn sie nicht schreibt oder liest, findet man sie in den Bergen, beim Klettern, oder auf ihrem Pferd durch die Großstadtprärie reitend.