In meiner Jugend habe ich Bücher regelrecht verschlungen. „Die Tribute von Panem“ habe ich in nur einer Woche durchgesuchtet. „Die Bestimmung“ habe ich gleich dreimal gelesen. In diesen Zeiten bin ich nur aufgestanden, um zur Toilette oder zum Kühlschrank zu laufen. Heute fällt es mir deutlich schwerer, mich in andere Welten hinzuversetzen.

Dieses Gefühl, das ich früher beim Lesen hatte, habe ich mit zunehmendem Alter leider immer seltener. Und ich vermisse es. Denn es ist eben etwas vollkommen anderes als sich einen Film oder eine Serie anzusehen. Man ist in dieser Welt und man ist diese Person. Jeder, der das Gefühl kennt, weiß was ich meine. Doch warum begeistern mich Bücher nicht mehr, die ich früher in jeder freien Minute gelesen habe? Ich glaube, dass es zu einem großen Teil daran liegt, dass mir die Geschichten mittlerweile zu jugendlich und irgendwie zu kitschig sind. Gleichzeitig sind Fantasybücher für Erwachsene oftmals zu langatmig. Aber kann man denn nicht beides haben? Einen fordernden Schreibtstil und unbändige Spannung?

Spoiler: Man kann und ich habe in meinem Dilemma zwischen Jugendnostalgie und dem Ernst des Lebens die Bücherregale durchforstet, Amazonbewertungen gelesen und bin schließlich fündig geworden. Hier kommen meine Best-Of’s, die ihr euch auf gar keinen Fall entgehen lassen solltet! (Dankt mir später)

Nevernight

„Wenn Menschen sterben, scheißen sie sich oft in die Hosen. Ihre Muskeln erschlaffen, ihre Seelen flattern befreit davon, und alles andere … rutscht eben einfach so raus.“

Fangen wir mit einer Buchreihe an, die sowohl für Männer als auch für Frauen, wie auch für Queere, ein echter Allrounder ist: Nevernight. Packende Spannung, schwindelerregende Action, nüchterne Liebe und den zynischsten Schreibstil, der mir in einem Fantasyroman je untergekommen ist. Der Autor Jay Kristoff schreibt aus der Sicht der jungen Mia Covere und fungiert selbst als Erzähler, der hier und da eine spitze Bemerkung einwirft. Mia hat ihre Eltern schon sehr früh an die mächtigsten Männer des Reiches verloren und verfolgt nur noch ein Ziel: Rache.

Ihr Plan ist es, sich als Assassinin ausbilden zu lassen, um die Mörder ihrer Eltern zur Rechenschaft zu ziehen. Doch dazu muss sie den geheimen Ort der „Roten Kirche“ erst einmal finden, was gar nicht so leicht ist. Aber natürlich besitzt Mia Covere eine besondere Gabe, die ihr hilft. In ihrem Schatten lebt eine Katze, die sich von ihren Ängsten nährt. Die Nicht-Katze hilft ihr, die Prüfungen des Lebens zu bestehen. Doch manchmal kann Angst auch lebensrettend sein. Drei Bücher lang kann man Mia bei ihrem Rachefeldzug begleiten, mit ihr kämpfen, leiden und lieben. Ich beneide alle, die diese wunderbar actionreiche Reihe noch vor sich haben.