Eine Idee Liebe: Verliebt in die Liebe? Zwischen Sehnsucht und Besessenheit

Immer dem Gefühl des Verliebtseins hinterherjagen, aber was macht das mit der Beziehungsfähigkeit? Bild: Pexels

Die romantische Liebe ist zum zentralen Motiv unserer Paarbeziehungen geworden. Dass sie der Kitt zweier Menschenleben ist, ist dabei eine noch recht junge Erfindung. Seitdem hat sich viel getan. In dieser Kolumne beschäftigen sich unsere zwei Autorinnen Lena und Rahel mit dem Ursprung der romantischen Liebe. Wo kommt sie her, wo will sie hin? Ist die Liebe zwischen Swipe links und Swipe rechts nur noch ein Produkt der Liebesökonomie?

Ohne die Liebe wäre das Leben ein grauer Regenbogen. Sie verleiht unserem Dasein Farbe, gibt den Drehbüchern erst ihren Reiz und macht sich so gut als Giveaway auf der Pralinenschachtel. Die romantische Liebe bringt in Gesprächen jedes Eis zum Schmelzen. Sofort stehen wir mit Rat und Tat zur Seite. Doch, wonach sehnen wir uns eigentlich wirklich, wenn wir verträumt ins Leere starren und in Gedanken Luftschlösser bauen? Ist es die Person oder die Liebe selbst?

Hatte die Liebe vor 100 Jahren noch eine andere Funktion, nämlich Stabilität, freundschaftlicher Zusammenhalt und Vertrauen, reicht das heute nicht mehr aus. Wir sind nicht mehr so gebunden, wie noch vor einem Jahrhundert. Wir können Beziehungen nach Belieben eingehen und wieder auflösen. War die Liebe früher ein Nice to Have, aber kein unbedingtes Muss in der Ehe, ist sie heute viel bedeutsamer geworden. Wir erwarten von unseren Partnern mindestens genauso viel wie von unseren Gefühlen. Und wir wollen beides, Liebe und Freundschaft, Spannung und Alltag. Aufregend muss es sein und das am besten für immer. Gleichzeitig suchen wir aber einen Menschen, der perfekt zu uns passt und der all unsere Widersprüche in sich vereint.

Drama, Baby, Drama

Die Herzschmerzliteratur, sowie sämtliche Serien und Filme nähren dieses Narrativ einer Liebe, deren Hunger unstillbar ist. Darin erscheint die romantische Liebe als etwas, das nicht so einfach zu bekommen ist, stattdessen ist sie mit Drama und Nervenkitzel verbunden. Wir wollen, was wir nicht haben können, weil wir es eigentlich gar nicht richtig wollen. Es geht nämlich nicht um die Person, als vielmehr um das Gefühl, das schwindet, sobald man erreicht hat, was man will. Wenn sich die Schmachtenden in einer Serie nach vier Staffeln und ewigem Hin und Her endlich gefunden haben, endet die Story. Klappe zu. Das glückliche Paar im Delirium, die Serie zu Ende und wir wollen genau dasselbe. Aufgeladen mit Erotik, Sex und Drama scheint das wahre Leben nur ein schwacher Schatten einer bunten Fantasie zu sein. Medien, Werbung und gesellschaftliche Umbrüche haben die Liebe zum Selbstzweck erklärt. Wir lieben um des Liebens willen und nicht weil uns die Person so sehr gefällt. Dauer-high vom Endorphinrausch sind wir ständig auf dem Weg, ohne je ans Ziel zu gelangen.

Die Liebe als Selbstzweck

Wie so vieles bergen auch die Schmetterlinge unter der Bauchdecke Suchtpotenzial. Wer dieses Gefühl kennt, der kennt auch die Gefahr und wie schnell man sich darin verlieren kann. Auf dem langen Pfad des Schmachtens vergessen wir, was Liebe ursprünglich ist. Denn Liebe ist still und Verknalltsein Chaos. Das, was sich so stark anfühlt und uns die Sinne raubt, ist nicht still. Es ist laut und ekstatisch. Doch wer Liebe will, muss die Schmetterlinge davonziehen lassen. Wer an dem Urknall der Liebe festhält, der wird immer wieder weitersuchen, ohne je anzukommen.

Als Bücherwurm das Licht der Welt erblickt, verzehrt sie auch heute noch Kästner, Precht und Heidegger zum Frühstück. Auf der Suche nach der perfekten Metapher treibt sie das Fernweh in die schönsten Schlupfwinkel der Erde. Wenn sie nicht schreibt oder liest, findet man sie in den Bergen, beim Klettern, oder auf ihrem Pferd durch die Großstadtprärie reitend.