Eine Idee Liebe: Warum wir wollen, was wir nicht kriegen

Wir wollen wir immer das, was wir nicht haben können? Bild: Pexels

Die romantische Liebe ist zum zentralen Motiv unserer Paarbeziehungen geworden. Dass sie der Kitt zweier Menschenleben ist, ist dabei eine noch recht junge Erfindung. Seitdem hat sich viel getan. In dieser Kolumne beschäftigen sich unsere zwei Autorinnen Lena und Rahel mit dem Ursprung der romantischen Liebe. Wo kommt sie her, wo will sie hin? Ist die Liebe zwischen Swipe links und Swipe rechts nur noch ein Produkt der Liebesökonomie?

Ich denke, viele würden folgenden Satz unterschreiben: Mein bisheriges Leben wäre um einiges unkomplizierter verlaufen, hätte ich mich in meinen Beziehungen für die nette Person entschieden, anstatt bindungsscheuen Narzist*innen hinterherzulaufen. Doch nett ist wohl bekanntlich der kleine Bruder von scheiße und Unerreichbares so viel aufregender. Doch woran liegt das? Warum wollen wir immer das, was nicht so leicht zu bekommen ist?

Von anderen Tellern schmeckt das Essen besser. Diesen Spruch kann ich als eine Person, der es im Restaurant schwerfällt, sich zu entscheiden, 1:1 unterschreiben. Denn es erklärt, warum ich meine Essensbestellung in dem Moment bereue, indem ich sie betätigt habe. Und wenn sich meine Gabel dann doch einmal am Teller gegenüber vergreift, dann schmeckt es wie die verbotene Frucht schlechthin. Es erklärt, warum wir immerzu wollen, was die anderen haben. Warum man dies und jenes und immer mehr will.

Und genau diese Logik scheint sich auch in der Liebe eingeschlichen zu haben. Denn auch hier ist es der anfängliche Nervenkitzel, der uns so sehr reizt. Von der Leistungsgesellschaft so erzogen, wissen wir nur allzu genau, dass ein Gut, das selten und nur schwer zu bekommen ist, wertvoller als ein solches ist, das einfach so frei zur Verfügung steht. Ein bisschen Spiel in der Liebe ist ja wohl angemessen oder etwa nicht? Das Leben wäre schließlich langweilig, würde man immer sofort das bekommen, was man will. So ähnlich müsste sich Cheaten in einem Computerspiel anfühlen: Sobald man schummelt, ist der Reiz des Siegens und Verlierens vorbei. Ja, erst der im Schatten lauernde Verlust, der über dir schwebt wie eine verheißungsvolle Warnung „Achtung, du kannst fallen und zwar tief“, macht das Ganze so spannend.

Das Gehirn ist schuld

Zwischen Computerspielen und dem Spiel der Liebe scheint das Gehirn keinen Unterschied zu erkennen. Das ständige Auf und Ab der Hormone treibt das Gehirn zu Höchstleistungen seiner Empfindungen. Kurz: Unser Belohnungszentrum wird aktiviert und Endorphine werden ausgeschüttet. Der Vergleich einer verliebten Person mit einer Heroinsüchtigen scheint nicht weit hergeholt. Denn wie unter Drogen leiden, lieben, schmachten wir. Wir genießen das Gefühl des Widerspruchs in der unerreichbaren Liebeswerdung eines Menschen, der genauso mit uns spielt und der uns immer wieder Liebeshäppchen vor die Füße wirft, nach denen wir so dankbar greifen. Diese Häppchen halten uns über Wasser und lassen uns Level für Level aufsteigen in einem Spiel, dessen Ausgang völlig unbekannt ist. Und genau hierbei liegt der Reiz. Mehr verliebt in das Gefühl des Verliebtseins als in die Person selbst, jagen wir dem Rausch hinterher wie Kinder Süßigkeiten.

Als Bücherwurm das Licht der Welt erblickt, verzehrt sie auch heute noch Kästner, Precht und Heidegger zum Frühstück. Auf der Suche nach der perfekten Metapher treibt sie das Fernweh in die schönsten Schlupfwinkel der Erde. Wenn sie nicht schreibt oder liest, findet man sie in den Bergen, beim Klettern, oder auf ihrem Pferd durch die Großstadtprärie reitend.