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Durchgesuchtet: Gänsehautfeeling mit dem ZEIT Verbrechen Podcast

Echte Verbrechen, gut recherchiert und spannend erzählt.

Völlig zurecht findet man den Verbrechen Podcast von ZEIT ständig in den Podcast-Charts auf Spotify. Im Gegensatz zu den wohl immer bleibenden Spitzenreitern, Fest&Flauschig auf Platz eins und Gemischtes Hack auf Platz zwei, ist der Podcast aber nicht einfach nur Unterhaltung. Sabine Rückert aus der ZEIT-Chefredaktion und Expertin für Verbrechen analysiert zusammen mit Andreas Sentker, dem Leiter des Wissensressorts der ZEIT, grausame Verbrechen und Gewalttaten. Die Fälle sind reale Verbrechen, die tatsächlich so passiert sind, und zwar immer in Deutschland. Im zwei Wochen-Takt erscheint immer dienstags eine neue Folge über ein grausames Verbrechen. Mal geht es um Ehefrauen, die ihre Männer aus Verzweiflung und Selbstschutz umbringen, mal um Lügen vor Gericht. Um Serienmörder, Vergeltungstaten, Rassissmus vor Gericht und tödliche Mutterliebe. Eine Folge behandelt einen sehr hartnäckigen Fall von Stalking, eine andere deckt einen unfassbaren Justizirrtum auf, der einen die Mühlen unseres Rechtsstaats hinterfragen lässt.

Die Expertin des Verbrechens

Überhaupt findet man sich als Zuhörer in einer Endlosschleife aus Hinterfragen und Fassungslosigkeit. Wie sind Menschen nur zu solch grausamen Taten fähig? Wie kaputt muss eine Ehe sein, wie zerrüttet, damit eine wehrlose Ehefrau ihren Mann erschießen lässt? Was muss passieren, dass Mütter ihre neugeborenen Babys töten? Wie vereinbart man eine Freundschaft zu einem Menschen, der sich als Serienmörder entpuppt, mit seinem Gewissen? Fragen, die einen nicht mehr loslassen und die niemand so gut beantworten kann, wie Sabine Rückert. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet sie in wechselnden Redaktionen im Verbrechens-Ressort, verfolgt die großen Strafprozesse regelmäßig in den Gerichtssälen und schreibt umfassende Gerichtsreportagen, einige davon sind preisgekrönt. Durch ihre Berichterstattung konnten gleich zwei Justizirrtümer aufgedeckt werden. Jeden einzelnen Fall, über den sich die beiden Experten in ihrem Verbrechens Podcast unterhalten, hat sie gründlich recherchiert, oft jahrelang. Stundenlang führte sie Gespräche mit Tätern, Opfern und deren Angehörigen. Sie legte sich mit Polizisten an und lehnte sich gegen Ungerechtigkeiten vor Gericht auf. Tatsachen, die nicht als Lobrede auf Sabine Rückert verstanden werden sollen, sondern erklären, was den Reiz des Podcasts ausmacht.

Tiefgründige Hintergrundrecherche

Ihrem Wissen und ihrer Erfahrung nämlich ist es geschuldet, dass der Zuhörer vom Outsider zum Insider wird. Details über die Verbrechen erfährt, die er anderswo niemals erfahren würde. Verbrechen nachvollziehbar machen – ein Prinzip, das dem Podcast sehr gut gelingt. Ein Mörder wird nicht einfach so zum Mörder, dahinter steckt ein verworrenes Netz aus Schicksalswendungen, schlechten Erfahrungen und verpassten Möglichkeiten, einzugreifen. Die Ursachen für eine Persönlichkeitsstörung bei vielen Mördern liegen oft in deren frühesten Kindheitserfahrungen. Sabine Rückert und Andreas Senkter machen Täter und Opfer durch ihre Erzählungen zu Menschen. Menschen, deren Leben in einer langen Kette aus schrecklichen Erlebnissen aus den Fugen geraten ist. Zerbrochene Familien, krankhafte Beziehungen, schizophrene Jugendliche und all solche, die im gesellschaftlichen System keinen Platz finden. Ihre persönlichen Lebensgeschichten werden aufgerollt, vom Anfang bis zum Ende, von zwei Stimmen, denen man gerne lauscht. Je länger man zuhört, desto mehr ziehen einen die sonoren, angenehmen Stimmen in den Bann des Verbrechens. Obwohl inhaltlich über Verbrechen, Mord und Totschlag gesprochen wird, stellt sich ein Gefühl ein, wie bei einem guten Hörspiel, bei dem man Raum und Zeit vergisst und sich von den Stimmen treiben lässt.

Verbrechen erlebbar machen

Der Zuhörer steht am Ort des Verbrechens, er folgt den Tätern bis zu ihrem Arbeitsplatz, sitzt mit den Opfern zusammen in der U-Bahn. Die Worte der Podcast-Macher und die Assoziationen im Kopf, die diese auslösen, lassen erahnen, wie sich die Menschen wohl gefühlt haben. Lassen den Schmerz einer Mutter, die ihren Sohn verloren hat, erahnen oder die Panik spüren, die ein Mann vor seiner stalkenden Ex-Freundin spürt. Diese podcast-typisch erzeugte Nähe bereitet einem regelmäßig Gänsehaut und sorgt dafür, dass einen jeder einzelne Fall bis in die Träume verfolgt. Aber auch dafür, dass man süchtig nach mehr wird. Süchtig nach mehr Geschichten über die Abgründe der Menschen. Es liegt in der Natur des Menschen, nach Antworten und Lösungen für alle Fragen zu suchen. Für alle, die sich nicht nur mit oberflächlichen Fakten zufriedengeben, sondern tief in die Geschichte hinter einem Verbrechen eintauchen wollen, liefert der Podcast detailreiche und spannende Einblicke. Wer also eine Affinität für True Crime-Stories hat, ist bei diesem Podcast genau richtig und wird die Kopfhörer so schnell auch nicht mehr abnehmen können.

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Bildquelle: via Pexels unter CC0 Lizenz

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