Eine Idee Liebe: Simone de Beauvoir und die Utopie der Liebe

Frau lesend am See

Die romantische Liebe ist zum zentralen Motiv unserer Paarbeziehungen geworden. Dass sie der Kitt zweier Menschenleben ist, ist dabei eine noch recht junge Erfindung. Seitdem hat sich viel getan. In dieser Kolumne beschäftigen sich unsere zwei Autorinnen Lena und Rahel mit dem Ursprung der romantischen Liebe. Wo kommt sie her, wo will sie hin? Ist die Liebe zwischen Swipe links und Swipe rechts nur noch ein Produkt der Liebesökonomie?

Egal ob Romeo und Julia, Edward und Bella oder Susie und Strolch. Wir alle haben eine Schwäche für große und dramatische Liebesgeschichten. Doch diese müssen nicht immer fiktiv sein. Auch in unserer Geschichte gab es einige tragische Paare, deren Geschichte es sich zu erzählen lohnt. Deswegen soll es im Folgenden um einen persönlichen Favoriten von mir gehen: Die Liebes- und Leidensgeschichte zwischen Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre – festgehalten in etlichen Briefen, die die beiden in den Jahren ihrer Geschichte füreinander schrieben.

Wer Simone de Beauvoir war, muss ich wohl den Wenigsten hier erklären. Doch für diejenigen, die noch nie etwas von Feminismus gehört haben, hier eine kleine Einführung in das Leben von Simone.

Simone de Beauvoir war Schriftstellerin, Philosophin und – wer hätte es gedacht – Feministin. Sie war zeitlebens nicht nur bekannt für ihren Dickkopf, ihre Intelligenz und ihre unbeschreibliche Art um die Ecke zu denken, sondern auch für ihre unangepasste Lebensweise. Mit „Das andere Geschlecht“ verfasste sie 1949 einen Meilenstein der feministischen Literatur. De Beauvoir studiere als eine der ersten Frauen an der Sorbonne und legte als Zweitbeste ihres Jahrgangs die Abschlussprüfung ab. Gleich hinter wem? Richtig, Jean-Paul Sartre.

Während ihres Studium erhielt sie bereits kleine Lehraufträge. Diese nutzte sie nicht nur dazu, Erfahrungen im universitären Bereich zu sammeln, sondern auch, um Einblicke in das Pariser Nachtleben zu erhalten. Mit dem kleinen Gehalt als Dozentin ließen sich ganz hervorragend die Bars unsicher machen. Rückblickend berichtet Simone in ihren Büchern immer wieder davon, wie wichtig diese Zeit für ihre „sexuelle Erweckung“ war. Denn zum Leid ihrer Eltern war die junge Simone alles andere als eine sittsame Dame. Viel lieber diskutierte sie mit Männern, trank, flirtete und steckte ihre Nase in die Werke großer Philosophen und Freidenker.

Und obwohl de Beauvoir in schwierigen Zeiten aufwuchs, hatte sie das Glück ein verhältnismäßig liberales Elternhaus im Rücken zu haben. Eine Tugend, die aus der Not heraus geboren wurde, denn die de Beauvoirs waren arm. Ihrem Vater war klar, dass er den Töchtern nie eine ausreichende Mitgift bereitstellen könnte und so bereitete er sie früh darauf vor, ledig zu bleiben und arbeiten zu gehen. Er war es auch, der Simone vom Schriftstellerleben vorschwärmte und sie darin bestärkte, ihre Gedanken aufzuschreiben. Man könnte auch behaupten, Simones Vater war ein widerwilliger Feminist.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.