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El Fox: Bilder, die alles andere als heteronormative Ödnis darstellen

Künstlerin und Modell El Fox fotografiert für ihren Instagram-Account ‚Mypunksnotdead‘ Frauen* auf intime Weise, die mit Geschlechtern und Identitäten spielt.

Der Instagram-Account mypunksnotdead von Künstlerin und Modell El Fox spielt mit Nacktheit, Ästhetik, Sinnlichkeit und Sexualität. Dabei kommen Aufnahmen heraus, die ungefilterte Natürlichkeit in vielen Facetten zeigen. Mit ZEITjUNG sprach El Fox über Feminismus, Heteronormativität, ihre Rebellion gegen die Fashionindustrie und Prüderie auf Instagram.

ZEITjUNG: Dein Account heißt „Mypunksnotdead“ – ist der Name eine Hommage an den Feminismus der dritten Welle? 

El Fox: Der Name ‚mypunksnotdead‘ ist eigentlich der Name meines Blogs, bevor ich mich der Fotographie und Kunst zugewandt habe, habe ich geschrieben und gesungen. Meine Fotographie ist eine Art neues Projekt, obwohl ich ihr den gleichen Namen gegeben habe wie meinem Blog. Aber ja, abgesehen davon ist ‚mypunksnotdead‘ eine Hommage an den Feminismus der Dritten Welle, besonders an seine querfeministische diy/zine-Kultur und weniger an den Punk selbst. Denn der einzige Grund, weshalb ich auf querfeministische Punk-Konzerte gehe, ist, weil alle meine Freunde und andere wunderschöne Menschen dort sind. Ich bin anders als sie aufgewachsen, wo ich herkomme, gab es keine Punk/anarchistisch-feministische Szene, ich wusste nicht mal, dass es so eine Subkultur überhaupt gibt. Erst als ich mit 18 nach Gent gezogen bin, hab ich die radikal-feministische Gruppe FEL  kennengelernt. Ich war sehr aktiv mit dabei und kam in Kontakt mit der Riot Grrrl-Szene. Leider ist diese Bewegung gegen Sex-Arbeit, Pornos, BDSM, daher habe ich mich dazu entschlossen, mich ein wenig von ihnen zu distanzieren und eher so im Grenzgebiet dieser Szenen unterwegs zu sein.

In deinen Arbeiten spielst du mit Geschlecht, Sexualität und Sinnlichkeit – deine Models sind vielfältig. Du hast selbst einen Hintergrund als Model, ist deine Kunst eine Rebellion gegen die Mainstream-Mode-Industrie? 

Es ist schön zu hören, dass du meine Models für vielfältig hältst. Denn ich finde der Großteil ist immer noch cis, weiß, dünn etc. Trotzdem versuche ich wirklich eine große Vielfalt an verschiedenen Persönlichkeiten, Hintergründen und Körper zu fotografieren. Das ist mir sehr wichtig. Diese Themen sind für vermutlich jede querfeministische, genderqueere Person wichtig. Ich glaube, aber, dass viele Menschen meine Arbeit sexueller interpretieren als ich das tue. Als Aktmodell, bin ich an Nacktheit so gewöhnt, dass ich es oft nicht mal merke, ob ein Modell in einem Porträt zum Beispiel nackt ist oder nicht. Ich bemerke Nacktheit nur, wenn sie mich ’stört‘. Meiner Meinung nach sind das sehr langweilige, sexistische, heteronormative Darstellungen von meistens weiblichen Körpern. Also ja, meine Arbeit – sowohl als  Modell und Künstlerin – ist eine Art Rebellion gegen die Mainstream-Mode-Industrie und -Kunstszene.

Wie wichtig ist es dir, eine Plattform für Genderidentitäten darzustellen und zu zeigen, dass es mehr Identitäten gibt als männlich und weiblich als Extrempole? 

Das ist mir als Künstlerin super wichtig. Diese beschissene heteronormative Gesellschaft hat mir so viele Probleme dabei bereitet, mein eigenes Geschlecht und meine eigene Sexualität zu entdecken und zu akzeptieren. Bis vor ein paar Jahren habe ich eine Geschlechtsidentität performt, die nicht meine war und ich habe nicht die Menschen gedatet, auf die ich stand wegen internalisierter Homo- und Transphobie. Was für eine Zeitverschwendung!

Deine Fotografie zeugt von Intimität – wie kannst du eine vertrauensvolle Beziehung zu deinen Models aufbauen und so diese intimen Momente einfangen? 

Die meisten meiner Modelle sind meine FreundInnen, MitbewohnerInnen, KollegInnen, Familie oder sogar (Ex)-Lover, also haben wir oft schon im voraus eine vertrauensvolle Beziehung. Und ich vermute, da ich selbst auch als Aktmodell arbeite, weiß ich wie ich die Menschen anweisen muss, damit sie sich wohl fühlen und selbstbewusst sind. Ich gehe mit ihnen so um, wie ich als Modell auch gerne behandelt werde.

Du verwendest die Plattform Instagram, um deine Arbeit zu promoten – viele deiner Arbeiten müssen verpixelt werden, weil bestimmte Körperteile zu sehen sind. Wie profitierst du dennoch von Instagram? 

Instagram ist super prüde und sexistisch wenn es um Nacktheit geht: weibliche Nippel dürfen nicht gezeigt werden, männliche schon, die Nippel eines Trans-Mannes auch – wie kann das bitte Sinn ergeben? Das ist doch genau derselbe Nippel? Stillende Mütter sind okay, wusstest du das? Wir sollten alle Babys in unsere Weibliche-Brust-Kunst-Fotografien retuschieren… Es zeigt total, wie die Gesellschaft die Rolle des weiblichen Körpers begreift. Trotzdem ist Instagram momentan eine der größten „demokratischen“ (außer, dass Menschen mit Geld ihre Reichweite bewerben können) Plattformen für Künstler. Ich glaube, dass es nie zuvor für so viele Frauen, Queers, POC etc. in diesem Maße möglich war, ihre Arbeit mit der Welt zu teilen und mit gleichgesinnten Künstlern in Kontakt zu treten.

Wann bist du kreativ? 

Mein liebstes kreatives Umfeld ist mein Bett. Im Ernst. Ich liege dort, entspanne, fokussiere mich. Ich schreibe Gedichte, bearbeite Bilder, entwickle neue Ideen etc.

Ich glaube zudem, dass meine Borderline-Persönlichkeitsstörung auch viel meiner Kreativität hervorruft, das ist eigentlich das einzig Gute daran. Meine Kunst war schon immer selbst therapierend, eine Art zu denken und fühlen, mit Trauma umzugehen und meine und andere Geschichten zu erzählen. Es ist ein Weg alles rauszulassen. Offen zu legen. Und durchzuatmen. Und dabei andere zu berühren.

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Bildquelle: El Fox/Cochon de Cauchemar (Konzept und Modell: Cochon de Cauchemar).

* Mit der Bezeichnung Frau sind hier Cis- und Transfrauen, sowie alle Personen, die sich dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, zu verstehen.

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