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Lea, 20, arbeitet als Aktmodel

Lea ist 20, Aktmodell. Sie weiß ihren Körper zu schätzen, wie er ist. Mit allen Ecken und Kanten. „Denn das ist Natur und Natur ist Schönheit“.

Ich treffe Lea (20) in der Loretta Bar, wobei ich sie heute das erste Mal angezogen sehe. Denn bei unserer ersten Begegnung war sie nackt und saß Modell in einem Modellierkurs im Akthof in der Türkenstraße. Nachdem ich insgesamt 6 Stunden um sie herum getigert bin, um meine Tonfigur nach ihrem Abbild zu formen, bat ich sie um ein Interview. Natürlich sagte sie zu, immerhin liebe sie es neue Leute zu treffen. Im Akthof arbeitet sie seit 2 Monaten. Eigentlich studiert sie Maskenbild in München. Eine ihrer Lehrerinnen habe ihr den Job vorgeschlagen, um nebenher etwas dazu zu verdienen.

 

„Die ersten 5 Minuten waren komisch“

 

In Zeiten in denen sich (körperliche) Selbstoptimierung als Norm unserer Gesellschaft etabliert hat, muss wohl eine Menge Mut dazu gehören, sich vor Fremden so zu entblößen. Am Anfang kam auch Lea in den Sinn, dass jetzt jeder all ihre Makel kennt, heute ist ihr das aber egal. „Die ersten 5 Minuten waren komisch“, sagt sie. „Danach hab ich schon vergessen, dass ich nackt bin.“

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Für jeweils 3 Stunden am Abend posiert sie in unterschiedlichen Posen. Dabei hat Lea, die früher unter anderem Ballett, Contactimpro und Modern-Dance gelernt hat, den Anspruch an sich selbst, die Posen nicht aufzulösen. Auch wenn etwas juckt, die Beine anfangen zu zucken oder zu krampfen, bleibt sie stoisch in ihrer Pose. „Das muss man dann wegatmen“. Klingt nach einer wahrhaft meditativen Arbeit.

 

„Du hast wirklich schöne Brüste“

 

An ihrer Weißweinschorle nippend erzählt Lea von Kunst und Ästhetik und davon, dass Nacktsein vor einer Gruppe Menschen wirklich nicht schlimm ist. „Sie schauen dich mit suchendem Blick an, nicht sexuell (…) sondern sehen dich als Ganzes.“ Sie selbst kommt öfters mit den Künstlern ins Gespräch. Dadurch, dass sie sich so offenbart, kommen andere ihr sofort mit Vertrautheit entgegen. Besonders interessant findet Lea, wie die anderen sie wahrnehmen: zunächst ihr eckiges Gesicht und ihre hohe Stirn. Das schönste Kompliment, dass sie je bekommen hat: „Du hast wirklich schöne Brüste.“ Ich muss gestehen, das war auch mein erster Gedanke.

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Der völlig unkomplizierte Umgang mit Körpern und Nacktheit im Modellierkurs ist erfrischend. Nach einer kurzen Aufwärmzeit vergaß auch ich, Sicherheitsabstand zu einem nackten Menschen zu wahren und gab mich ganz Formen und Konturen hin. Anatomie lernt nicht nur der Mediziner am realen Abbild am besten, auch der Künstler lernt so mit Proportionen und Posen zu spielen.

Kommentare

  1. Nettes Interview, und es ist schön zu lesen, dass das Aktmodell sich selbst schon gut kennengelernt hat in ihrem jungen Alter. Allerdings stehe ich seit 25 Jahren Modell und bitte zu beachten, dass viele junge Frauen meinen, sie würden sich kennen und Selbstbewusstsein und Ruhe ausstrahlen. Das dauert aber Jahre. Und auch beim Akt in der Kunst gilt: Neue Besen kehren gut, aber die alten wissen, worauf es ankommt und leben ausgeglichen mit ihre Schwächen. Da gehört – so direkt es auch klingt – eine Menge Lebenserfahrung hinzu, um Körper, Philosophie und Ästhetik unter einen Hut zu bringen.
    Im übrigen gibt es einen Unterschied zwischen MODEL und MODELL. Das Modell ist die inspirative lebendige Vorlage für die Kunst, ein Model repräsentiert eine Scheinwelt auf dem Laufsteg. VG

    Rodinmuse / Antworten

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