Frauen essen Bruschetta

Die vier Arten, mit dem „Problem“ umzugehen

Ich habe gemerkt, dass das Wort vegan häufig mit negativen Klischees in Verbindung gebracht wird. Wie mit dem Bild der dogmatischen Veganerin, die anderen ihre Meinung aufzwingen will und beim Anblick von Fleisch dramatisch und angeekelt die Augen aufreißt. Oder mit der anstrengenden, veganen Mitbewohnerin, die nur noch ihre eigene Pfanne benutzt und die Kühlschrankfächer penibel trennt. So bin ich nicht und war ich nie! Da ich aber gemerkt habe, dass ich oft in eine dieser Schubladen gesteckt wurde, habe ich den Spieß einfach umgedreht – und meine Mitmenschen danach kategorisiert, wie sie auf meine Ernährung reagierten.

Es gab:

  • die Kritiker*innen: „Das kann ja nicht gesund sein“, „Weißt du, was du da tust?“ „Dir fehlen wichtig Nährstoffe!“ „Vegane Ernährung… Ich denke da an: Mangelernährung.“. Obwohl ich mich vor meiner Ernährungsumstellung nicht eine Sekunde mit meiner Ernährung, Eiweiß oder Vitaminen auseinandergesetzt hatte, erwarteten plötzlich alle, dass ich super gut informiert war. Im Gegensatz zu Billo-Fleisch müssen Linsen, Reis und Gemüse ja schließlich gesundheitsgefährlich sein. Zum Glück habe ich kurz nach der Umstellung auf vegan angefangen, Ernährung zu studieren. Ich glaube, das hat viele beruhigt. 
  • die Moralapostel: „Ach, aber eine Daunendecke zum Schlafen ist okay für dich, ja?“ „Tofu ist in Plastik eingepackt!“. Oder ganz beliebt: „Pflanzen haben auch Gefühle.“ Wow. Einfach nur wow. Diese Kategorie vergleicht sich mit dir. Eigentlich wissen die Moralapostel im Herzen ganz genau, dass vegan sein sinnvoll, wichtig und auch moralisch richtig ist. Allerdings bedeutet das in ihrer Welt auch, dass sie selbst etwas falsch machen. Sich das einzugestehen ist nicht schön und kann viel durcheinanderbringen. Einfacher ist es, den „Anderen“ ein schlechtes Gewissen zu machen, um sich selbst besser zu fühlen.
  • die Verführer*innen: „Ich habe für das Muffinrezept insgesamt nur ein Ei benutzt“, „Hm, guck mal, es gibt Chocolate Lava Cake“, „Ich bin mir sicher, dass der Kaiserschmarrn hier vegan ist.“ Diese Spezie will dich testen. Bist du stark, oder bist du zu schwach? Klasse waren auch meine Geschwister, die mir in der Anfangszeit immer tierische Produkte untergejubelt haben und mir dann mit einem schadenfreudigen Lachen unterbreitet haben, dass ich es nicht gemerkt habe.
  • die Übervorsichtigen, die ja nichts falsch machen wollen: „Ist Zucker vegan?“ „Ist es in Ordnung, wenn ich ein Baguette mit Käse bestelle?“ „Ich habe in der Pfanne vor drei Monaten Halloumi gebraten, ist das in Ordnung für dich?!“ Diese Gruppe ist harmlos, kann aber nach einiger Zeit ganz schön nervig werden.