Fütterer is(s)t anders: Vegan sein vor acht Jahren und heute

Veganer Burger in L.A.

Die Zeiten des Verzichts sind vorbei

In der Anfangszeit meiner Ernährungsumstellung wurde der Biosupermarkt also zu meiner täglichen Anlaufstelle. Dort gab es nicht nur vegane Produkte, sondern auch Lebensmittel, die ich im Supermarkt noch nie gesehen hatte: Hefeflocken, Seitan-Mischungen, Ei-Ersatz oder pflanzliche Sprühsahne. Stundenlang verbrachte ich vor den Regalen, las Etiketten und studierte Zutatenlisten. Wurde ich nicht fündig, habe ich die (damals) ausgefallenen Produkte im Internet bestellt. Wie zum Beispiel Bionella. Meine Mitbewohnerin und ich haben den veganen Nuss-Nougat-Aufstrich gefeiert wie einen Sechser im Lotto. Seit einiger Zeit kann ich die vegane Nutella nun auch bei Rewe oder Edeka finden. Das Angebot an veganen Produkten explodiert. Die Frage lautet heute nicht mehr: Gibt es das auch vegan? Sondern: Darf es lieber zuckerfrei, glutenfrei oder zusätzlich vielleicht low carb sein?

Das fängt bei den Milchalternativen an. Neben exotischen Sorten wie Reis-Kokos, Hanf, Erbse oder Macadamia sind Soja- und Haferdrink mittlerweile ja fast schon wieder oldschool. Fand man früher neben Naturtofu und Gemüsebratlingen höchstens Räuchertofu im Biomarkt, tummeln sich heute neben fünfzehn verschiedenen Tofu-Geschmacksrichtungen auch Tempeh-Burger, Gyros aus Seitan und Lupinensteaks im Kühlregal. Ich erinnere mich noch gut, als ich vor sieben Jahren bei Whole Foods in den USA das erste Mal Parmesanersatz aus Cashewnüssen und Hefeflocken gefunden und mit nach Hause geschmuggelt habe. Die Packung hielt drei Monate lang, so sparsam bin ich mit dem kostbaren Gut umgegangen. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland viele Käsealternativen – egal ob Feta, Parmesan, Mozzarella, Streich-, Frisch-, Schmelz- oder Weichkäse.

Keine kulinarischen Abstriche

Was aber noch viel beeindruckender ist, ist die Zunahme der veganen Fertigprodukte, besonders Fast Food und Süßigkeiten. Ein Glück, dass ich ziemlich schnell herausfand, dass die Rezeptur von Oreos, Mr. Tom und Manner Schnitten vegan ist. Denn wer schon mal versucht hat, seinen Heißhunger mit ungesüßten Dinkelkeksen aus dem Reformhaus zu stillen, der weiß, dass das eine sehr schlechte Idee ist. Inzwischen gibt es vegane Kekse, die schmecken! Und Gummibärchen. Und Schokoriegel. Sogar das Cookie Dough Eis von Ben&Jerrys gibt es in einer veganen Variante. Nicht zu vergessen vegane Aufbackpizzen. Hallelujah! Mc Donalds hat vom Veggie-Burger auf einen veganen Burger upgegradet und jedes hippe Café hat Avocado-Toast auf dem Menü. Unterwegs fehlt es dem hungrigen Veganer und der hungrigen Veganerin also an nichts. Im Notfall zeigen einem Apps wie HappyCow das nächste Restaurant an, in dem es ein pflanzliches Gericht gibt. Zwar habe ich diese Apps auch schon vor Jahren genutzt, wenn ich einer fremden Stadt war, allerdings habe ich dann öfters kilometerlange Märsche in Kauf genommen, um dorthin zu finden.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.