Fütterer is(s)t anders: Vegane Ernährung – ein Luxusproblem?

Frau genießt Orangensaft

Soziale Ungerechtigkeit für unseren Luxus

Das Paradoxe ist: Damit wir in Saus und Braus leben können, leiden Menschen in anderen Teilen der Welt an Hunger. Denn in den Ländern, in denen Hunger herrscht, wird der Lebensmittelüberschuss für Länder wie Deutschland produziert. Das gilt für Gemüse und Früchte wie Avocados gleichermaßen wie für Getreide und Fleisch. Problematisch ist allerdings, dass insbesondere die Produktion von tierischen Lebensmitteln extrem ressourcenintensiv ist. Für ein Kilo Rindfleisch muss ca. zehnmal so viel für den Menschen verwertbares Getreide verbraucht werden. Für den Anbau von Soja und Co. für Tierfutter wird dabei u.a. kostbarer Regenwald zerstört. Die aktuellen weltweiten Ressourcen an Getreide, das als Tierfutter verwendet wird, würden es zulassen, alle Menschen dieser Welt zu ernähren – wenn der Umweg über die Tiere nicht wäre.

Fleisch als Luxusgut

Früher galt in unserer Gesellschaft Fleisch noch als Luxusgut. Meine Oma hat mir mal erzählt, dass sie in der Nachkriegszeit Schinken gegen ihre Kommunionsschuhe eingetauscht hat. Und dass die Hackordnung, wenn es an Sonntagen ausnahmsweise Braten beim Familienessen gab, immer klar bestimmt war: Zuerst bekam immer ihr Vater das größte Bratenstück, dann waren die Großeltern und ihre Mutter an der Reihe. “Wir Kinder waren froh, wenn wir noch ein kleines Stückchen abbekommen haben”, erzählt sie mir heute noch.

Mittlerweile sind Fleisch, Milch und Eier immer und überall verfügbar. Fleisch gehört zu fast jeder Mahlzeit dazu – sei es in Form von Hack in der Bolognesesoße oder als grinsender Bärchenaufschnitt auf dem Butterbrot. Die großen Fleischproduzenten unterbieten sich sogar mit immer niedrigeren Preisen. Mit Glamour und Luxus im Sinne von “Gönnung” hat das schon lange nichts mehr zu tun.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.