Gendern: Überflüssige Gleichberechtigung oder Wissenschaft?

Was sagt die Wissenschaft zur gendergerechten Sprache? Bild: Unsplash

Verhaltensänderung durch Sprache

Aber wirkt sich die Sprache auch auf unser Verhalten aus? Zum Beispiel auf die Wahl unseres Berufes? Es ist kein Geheimnis, dass viel weniger Frauen in vermeintlich typisch männlichen Berufen zu finden sind, aber hat unser Sprachgebrauch etwas damit zu tun? Forscher*innen führten einen Test durch, bei dem 500 Grundschulkinder in Deutschland und Belgien Berufe vorgestellt wurden, die als typisch männlich gelten. Die Proband*innen wurden abermals in zwei Gruppen aufgeteilt. Der ersten Gruppe wurden die Berufe in dem männlichen Plural vorgestellt, also Feuerwehrmänner, Lastwagenfahrer oder Erfinder. Bei der zweiten Gruppe wurden beide Bezeichnungen verwendet, also sowohl Feuerwehrmann als auch Feuerwehrfrau. Die Mädchen aus der zweiten Gruppe trauten sich daraufhin viel eher zu, einen Beruf zu ergreifen, der als typisch männlich gilt, als die Mädchen, die nur die männlichen Begriffe gehört hatten. Das Ergebnis ist eindeutig und zeigt, dass unsere Sprache unser Verhalten stark beeinflusst.

Ein beliebtes Argument gegen geschlechtergerechte Sprache ist die schwere Verständlichkeit. Aber macht das Gendern die Sprache wirklich schwerer verständlich? Auch hierbei verweist Harald Lesch auf eine Studie, bei der 350 Studierenden der Vertrag eines fiktiven Stromanbieters vorgelegt wurde, einmal gegendert und einmal im generischen Maskulinum formuliert. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Beide Vergleichsgruppen haben exakt dasselbe Textverständnis. „Es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass es beim Gendern um mehr geht als Ideologie“, schlussfolgert Professor Harald Lesch aus den vorangegangenen Beispielen.

„Eine männlich geprägte Sprache trägt nachweislich zu einem männlich geprägten Blick auf die Gesellschaft bei.“

Harald Lesch