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Hassobjekt: Spinnen

Ich muss nur an eine Spinne denken, schon spüre ich ihre dünnen Beine über meinen Rücken krabbeln und mir stellen sich die Nackenhaare auf.

Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum Atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann – da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der Reihe „Hassobjekt“ einfach freien Lauf und geraten überspitzt in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: Spinnen. 

Spinnen. Ich muss nur an sie denken, schon stellen sich mir die Nackenhaare auf. Die Härchen an den langen, dünnen Spinnenbeinen, der dicke, runde Spinnenkorpus und diese Lautlosigkeit, mit der sich die Dinger fortbewegen – all das bereitet mir Gänsehaut. Entdecke ich irgendwo eine Spinne, gibt es für mich nur eins: Flucht. Und zwar schnell. Die Spinne braucht dabei gar nicht echt zu sein, es reicht schon das Bild oder nur die Vorstellung von ihr, um mich vollends in Panik zu versetzen. Einen einzigen Gedanken an Spinnen verschwendet, spüre ich ihre dünnen Beinchen über meinen Rücken krabbeln, sehe ich, wie sich eine dicke, schwarze Spinne über meinem Kopf abseilt und schrecke vor jeder offenen Schubladen und jedem Lichtschalter zurück – es könnte ja eine Spinne draufsitzen oder sich in irgendetwas verstecken. Jedes Mal schüttelt es mich am ganzen Körper und mir bricht leicht der (Angst-)Schweiß aus. Ich weiß, viele Leute können das sicher überhaupt nicht nachvollziehen. Wie kann man nur vor solch kleinen Lebewesen Angst haben? Was soll sie dir schon tun? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass man den Ursprung von Ängsten oft nicht begründen kann und dass die Spinnenangst bei mir schon immer da war.

Ich spüre, wie die Spinne über meinen Rücken krabbelt

Ich habe nämlich schon Angst vor Spinnen, seit ich denken. Die meisten kleinen Kinder sitzen in dieser Szene aus Kevin Allein zu Haus, in der die Vogelspinne seines Bruders aus dem Käfig entwischt und sich auf eine häusliche Erkundungstour begibt, sicher kichernd und glucksend vor dem Fernseher. Ich nicht. Ich saß als kleines Mädchen panisch auf der Couch und habe mir die Decke über den Kopf gezogen, bis die Szene endlich vorbei war. Erst dann, ganz langsam, habe ich mich wieder getraut, auf den Bildschirm zu schauen. Ich wurde älter und meine Freunde und ich verfielen dem Harry Potter-Fieber. Ich liebe alle Harry Potter-Bücher & Filme – bis auf den 2. Teil, Die Kammer des Schreckens. Warum ist wohl klar, es gibt in dem Film eine lange und furchtbar eklige Szene in einer Spinnengruft, die ich nie ohne wegzusehen ansehen konnte. In dieser Szene kann ich absolut mit Ron Waesley mitfühlen, der genauso viel Panik vor Spinnen hat wie ich.

Kreischalarm & Gänsehaut

Früher habe ich bei Sichtung einer Spinne immer laut kreischend nach meinem Dad oder meinen Brüdern gerufen, damit sie mich vor dem Feind retten. So laut wie ich immer geschrien habe, dachte meine Familie des Öfteren, es würde ein Einbrecher bei uns im Haus sein. Als sie dann gemerkt haben, dass das Problem nur sehr klein ist und acht Beine hat, musste ich mir immer anhören, wie lächerlich meine Angst doch ist. So richtig verstanden haben meine männlichen Familienmitglieder nie, wie man so krasse Angst vor diesen kleinen Tieren haben kann. Ich habe aber nicht nur Angst vor Spinnen, ich habe wirklich, wirklich Panik. Das bedeutet jedes Mal Panikanfälle inklusive Heulkrampf, Gänsehaut, Zittern, sobald ich einen Vertreter ihrer Art zu Gesicht bekomme. Das ist schon eine richtige Spinnenphobie, also nicht nur Panikmache meinerseits, sondern echter, tiefsitzender Ekel.

Ist Spinnenphobie erbbar?

Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass so eine Spinnenphobie erbbar ist. Meine Mum reagiert genauso panisch wie ich, jedes Mal wenn sie Achtbeiner entdeckt. Meine Angst wurde mir also quasi in die Wiege gelegt. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es sehr viele, die kreischend vor Spinnen flüchten. Die genau solche Angst haben wie ich. Zugegeben, es sind mehr Frauen als Männer, dieses Klischee trifft wohl zu, aber ein paar männliche Spinnen-Angsthasen kann ich durchaus auch aufzählen. Geschlecht hin oder her: Liebe Spinnen, tut uns Ängstlichen doch einfach den Gefallen und respektiert unsere Angst. Macht einen großen Bogen um unsere vier Wände, das erhöht nicht nur eure eigene Überlebenswahrscheinlichkeit, sondern erspart uns einige panische Angstausbrüche. Bleibt einfach draußen oder spinnt woanders eure Nester! Nur bitte nicht in meiner Nähe!

 

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Bildquelle: via Pexels unter CC0 Lizenz

Kommentare

  1. Ich hasse Spinnen nicht. sie sind sehr nützlich. Aber ich liebe sie auch nicht gerade, wenn sie ihre Netze zwischen Töpfen oder bücheern etc. weben. Da ich auf dem Land lebe, habe ich häufigen Kontakt mit verschiedenen Arten. Die nehme ich dann sorgsam und setze sie nach draußen. Neulich fand ich eine fremde Art an meiner Wand, die ich photographierte und nun versuche , sie besstimmen zu lassen. Bisher ohne Erfolg. Ob ich hier einen Arachnologen finde? Allerdings müßte ich das Bild hochladen können.

    Jutta Schroer / Antworten

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