Hustle Culture: Mehr ist nicht immer besser. Bild: Unsplash

Die Arbeitstage werden im Schnitt also länger, doch die Zeit, die uns zur Verfügung wird, wird es nicht. Es ist eine logische Konsequenz, dass in anderen Bereichen Opfer gebracht werden müssen. Menschen, die sehr viel arbeiten, haben oft nicht mehr die Kraft und die Motivation etwas für ihren Körper zu tun – sei es Sport, ein Spaziergang oder gesundes Essen. Vielleicht leiden aber auch die sozialen Kontakte. Einem Treffen mit Freunden abzusagen, weil man so „beschäftigt mit der Arbeit ist“, mag in manchen Ohren sogar gut klingen. Schließlich bedeutet es, dass man gebraucht wird. Man stellt etwas mit seinem Leben an, oder nicht? 

Eine Entscheidung, die viele Menschen im Laufe ihres Lebens bereuen. Eine nun schon seit über 75 Jahren laufende Studie hat gezeigt, dass gerade die sozialen Kontakte das wiederkehrende Muster im Leben von Menschen sind, die sich selbst als glücklich einschätzen. Nicht nur führen sie zu mehr Zufriedenheit im Leben, sondern erhöhen auch deutlich die Wahrscheinlichkeit für eine bessere Gesundheit. Falls ihr euch für weitere Ergebnisse interessiert, findet ihr hier mehr Infos

Weniger ist mehr

Die Antwort auf ein erfülltes Leben UND Erfolg im Arbeitsleben muss und sollte nicht die Hustle Culture sein. Das beweist auch ein von 2015 bis 2019 stattfindendes Experiment aus Island, welches rund 1% seiner Einwohner*innen, also 2.500 Menschen, eine 4-Tage-Woche anbot, oder die Stunden von 40 auf 35 Stunden reduzierte. Nicht nur fühlten sich Mitarbeiter*innen deutlich weniger gestresst und hatten mehr Zeit für private Angelegenheiten, auch das Unternehmen profitierte davon. Während in manchen Fällen zumindest keine Einbuße in Bezug auf die Arbeitsleistung festzustellen waren, schafften die meisten Angestellten sogar mehr in der kürzeren Zeit. 

Will Stronge, der Untersuchungsleiter, fasste die Ergebnisse gegenüber der BBC zusammen. „Die Studie zeigt, dass der weltgrößte Versuch, die Arbeitswoche im öffentlichen Sektor zu verkürzen, unter Berücksichtigung aller Faktoren ein überwältigender Erfolg war.“ Er hofft, dass Regierungen basierend auf diesen Ergebnissen lernen werden. 

Mehr zu arbeiten, bedeutet also nicht mehr Erfolg – der Grundgedanke der Hustle Culture, harte Arbeit möge zum Ziel führen, ist nachvollziehbar. Und ja, es gibt Abschnitte im Leben, da können stressigere Phasen mit mehr Arbeitszeit sogar sinnvoll sein. Man sollte nur immer darauf achten, dass Dinge wie Überstunden ein Sprint bleiben und nicht zum Marathon ausarten, der nach und nach zur Gewohnheit wird. Für die eigene Gesundheit und die Produktivität.

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Bildquelle: Tim Gouw auf Unsplash; CC0-Lizenz