Ich will keine Kinder! Weibliche Sterilisation

Baby

Ende 20 ist so ein Alter, in dem sie langsam in unseren Hinterköpfen tickt: Die biologische Uhr. Für viele Frauen heißt es nun heiraten, Kinder kriegen und den Labradorwelpen adoptieren. Logisch, schließlich ist man jetzt in dem richtigen Alter. Zumindest suggeriert uns das die Gesellschaft. Doch was, wenn man gar keine Kinder will? Also nie. Ein Beitrag über die weibliche Sterilisation.

Carla hat sich entschieden: Sie will keine Kinder und sie will ihrem Körper auch keine Hormone mehr zuführen. Sicher verhüten möchte sie aber trotzdem. „Ich will beim Sex nicht die ganze Zeit darüber nachdenken müssen, ob das Kondom nun hält oder nicht und ob ich die Pille heute wirklich zum richtigen Zeitpunkt genommen habe“, meint sie. Eine langfristige Lösung muss her und sie weiß auch schon ganz genau, wie diese aussehen soll. Carla will sich sterilisieren lassen. Doch das ist gar nicht so einfach, wie man sich das vorstellt, denn leider ist die weibliche Sterilisation immer noch mit einer ganzen Menge an Vorurteilen verbunden. „Das überlegst du dir sicher noch anders“ oder „Warte mal ab, bis der richtige kommt, dann regeln die Hormone das schon.“ murrt das Umfeld. Und auch bei Frauenärzt*innen finden interessierte Frauen häufig kein offenes Ohr.

So schreibt beispielsweise der Verein „Selbstbestimmt steril“ auf seiner Website:

„Eine Sterilisation minimiert das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft – doch nur wenige Gynäkolog*innen führen diese Operation durch oder operieren Personen erst, wenn diese ein gewisses Alter (teilweise 35 oder älter) erreicht und Kinder geboren haben. Manche setzen sogar ein psychologisches Gutachten voraus.“

Selbstbestimmung über den eigenen Körper sieht sicher anders aus. Deshalb setzt sich der Verein für Frauen ein, die aus ganz unterschiedlichen Gründen eine Sterilisation vornehmen lassen wollen. Auf der Website wird nicht nur Unterstützung bei der Suche nach einem guten Gynäkologen angeboten, sondern auch über den Eingriff aufgeklärt. Darüber hinaus können Interessentinnen Erfahrungsberichte von Frauen lesen, die bereits eine Sterilisation haben vornehmen lassen und von ihrem Leben vor dem Eingriff, der OP selbst, sowie ihrem Leben danach berichten.

Das gesellschaftliche Stigma

Während Männer relativ leicht eine Sterilisation durchführen lassen können, ist es für Frauen immer noch eine kleine Odyssee und das liegt nicht nur an den Ärzt*innen, sondern häufig am persönlichen Umfeld. Wenn Männer keine Kinder wollen, gelten sie als entschieden oder es wird die Legende vom „einsamen Wolf“ aus der verstaubten Klischee-Kiste gekramt. Will eine Frau keine Kinder, so ist sie egoistisch oder traumatisiert. Das ist natürlich Quatsch und dennoch halten sich diese Vorurteile hartnäckig. Warum ist das so?

Kritik ernten Frauen vor allem dann, wenn sie sich jung dazu entscheiden keine Kinder zu wollen, wohingegen Frauen, die eine Sterilisation wollen und bereits Kinder haben mit weniger Gegenwind kämpfen müssen. Bei jungen Frauen wird scheinbar angenommen, man müsse sie vor sich selbst schützen, ganz so, als hätte man mit 28 noch keine eigene Meinung und somit auch kein Recht auf drastische Schritte in der Lebensplanung. Doch die Debatte schlägt vielerorts in dieselbe Kerbe, wie die Diskussion um Schwangerschaftsabbrüche. Ein Thema, welches seit Jahren heiß diskutiert wird und auch nur langsam Erfolge für die Selbstbestimmung verzeichnen kann.

Eine finale Entscheidung

Selbstbestimmung hin und Feminismus her – dennoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass eine Sterilisation bei der Frau ein endgültiger Eingriff ist und man ihn nur sehr schwer bis gar nicht rückgängig machen kann. Dementsprechend sollte frau sich also gut informieren und den/die Ärzt*in für sich finden, bei der sie sich gut aufgehoben und beraten fühlt. Sind dann alle persönlichen Bedenken beiseite geschafft, so steht einem sicheren Eingriff nichts mehr im Wege.

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Bildquelle: Becerra Govea Photo von Pexels; CC0-Lizenz

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.