LiebesLeben: Quarterlife Crisis – Wenn die Zwanziger zur Sinnkrise werden

Mitte Zwanzig und gefühlt keinen Plan, wo man mit seinem Leben hinwill? Willkommen in der Quarterlife Crisis. Bild: Pexels

Katja malt mit Sprache Bilder auf ihre Wortleinwand. In ihrer Kolumne nimmt sie euch mit in ihr Atelier: Als absoluter Gefühlsmensch schreibt sie über die Liebe und das Leben – ein bisschen philosophisch und ein bisschen psychologisch, mit einem Hauch von Melancholie.

Es ist Samstagnacht in Leipzig, ich bin über das Wochenende zu Besuch bei meiner Freundin Paula. Auch dabei sind die besten Freund*innen ihrer Mitbewohnerin – eine achtköpfige Clique, die sich schon seit Schulzeiten kennt. Wir alle sind zwischen 20 und 30, nur dass es da einen kleinen Unterschied gibt: Während Paulas Mitbewohnerin und ihre Freunde alle seit Äonen in ein und derselben Beziehung sind, bald heiraten und zusammenziehen, oder sogar bereits zusammenleben, sind Paula und ich stolz auf uns, wenn wir tatsächlich mal etwas Essbares im Kühlschrank haben.

Der Besuch in Leipzig war ein Zwei-Tages-Ausflug in eine völlig fremde Welt. Denn normalerweise bin ich nur umgeben von Menschen, die noch ähnlich „jung“ sind wie ich. Damit meine ich nicht das Alter, sondern die Lebensumstände und vor allem die Lebenseinstellung.

Dass meine engsten Freund*innen und ich uns eigentlich alle ein bisschen verloren in unseren Lebensentwürfen fühlen, tritt bei uns allen auf unterschiedliche Weise zutage: Die einen vögeln sich von Clubtoilette zu Clubtoilette, die anderen sind froh, wenn ihr Konto zur Abwechslung mal nicht im Minus ist. Manche führen Beziehungen, die sie keinesfalls aufgeben wollen, die aber kompliziert sind und eine Menge Arbeit erfordern, andere suchen insgeheim nach einer Beziehung, können sich letztendlich aber doch nie wirklich auf jemanden einlassen. Einige sind ständig auf der Flucht in andere Länder und vor sich selbst, andere schaffen es einfach nicht, ihren Trennungsschmerz zu überwinden und igeln sich ein. Die einen verfallen in Depressionen, die anderen in Manie, und die nächsten schwanken ständig zwischen beidem.

Die Quarterlife Crisis ist ein Gefühl. Ob man es spürt oder nicht, hängt nicht unbedingt damit zusammen, ob man in einer Beziehung oder single ist. Wie gesagt: Einige meiner Freund*innen sind auch vergeben. Der Unterschied zwischen ihnen und den Freund*innen von Paulas Mitbewohnerin besteht nur darin, dass meine Freund*innen in ihren Beziehungen viel weniger gefestigt sind. Alle Paare aus meinem Umfeld sind in erster Linie nach wie vor kein gemeinsames Wir, sondern zwei einzelne Ichs.

Ein Freigeist in Freiheit. Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade schreibe, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo am Wasser. Oder auf alten Zeitungen, um jede Menge Farbe auf unbeschriebene Blätter zu klatschen. Aber am allerliebsten lebe ich: la vida loca!