„More Nutrition“: Wenn Nahrungsergänzungsmittel mit Lügen beworben werden
„Arthro Support“ – das Gegenmittel bei Gelenkschmerzen?
Ein weiteres Produkt aus dem Sortiment ist „Arthro Support“. Das Nahrungsergänzungsmittel soll die Gelenkgesundheit unterstützen. Enthalten sind die beiden Kollagen-Peptide Fortigel und UC-II sowie Glucosamin und Chondroitin, die das Knorpel-Gewebe wissenschaftlich nachgewiesen wieder aufbauen sollen. Problematisch ist: Die Studien beziehen sich zum Großteil auf junge, gesunde Menschen ohne Arthrose. Ein signifikanter Nutzen bei Arthrose konnte nicht bestätigt werden. Lediglich für den enthaltenen Wirkstoff Vitamin C ist die Wirkung bei der Knorpelbildung bestätigt.
Doch selbst wenn Arthro Support nicht so sinnvoll ist wie versprochen, kann es nicht schaden, oder? Gesunde Menschen werden durch die Einnahme keinen direkten Schaden erleiden. Davon geht Ernährungsmediziner Martin Smollich aus. Ein Schaden sei höchstens beim Geldbeutel zu erwarten. „Aber bei Erkrankten besteht eine indirekte Gesundheitsgefahr. Sie können denken, sie hätten hier ein wirksames Präparat – und verzichten so auf Therapien, deren Nutzen nachgewiesen ist.“ Die Ernährungswissenschaftlerin und Referentin der Verbraucherzentrale Angela Clausen rät deshalb: „Nahrungsergänzungsmittel sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.“
Nur sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel – Was ist dran an dem Versprechen?
Der Marketing-Trick von More Nutrition: Nichts Definitives zur Wirkung sagen, aber sehr viel Wirkung suggerieren. Geschickt wird ein existierendes Problem dramatisiert, Tatsachen verdreht und mit scheinbarer Wissenschaftlichkeit Glaubwürdigkeit erzeugt. Mein Fazit: Es mag sein, dass einige Produkte wie Proteinpulver und Chunky Flavour eine sinnvolle Ergänzung der Ernährung darstellen können. Aber unwissenden Menschen mithilfe von Angst-Marketing zu suggerieren, dass die Einnahme von More Sleep Krebserkrankungen bei Schichtarbeiter*innen vorbeugen könne, ist moralisch nicht vertretbar. Die Kommunikation ist irreführend und das Marketing zum Teil rechtswidrig.
Verwendete Quellen:
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
- WDR
- medwatch
- Lebensmittelklarheit
- More Nutrition
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