Olympia 2021: Der kalkulierte Notstand?

Sportlerin mit Maske und Schild

Vor einigen Wochen rühmte sich Tokio noch mit den strengsten Regeln, unter denen die Olympischen Spiele je stattgefunden haben. Heute stiegen die Corona-Zahlen bereits auf über 130 Infizierte. Wie gut sind die Maßnahmen wirklich und wie feiert man Olympia unter Pandemiebedingungen?

Nachdem es am Eröffnungstag mit Radsportler Simon Geschke bereits den ersten Corona-Infizierten im deutschen Team gegeben hatte, steigen auch in den anderen Mannschaften die Zahlen der Erkrankten kontinuierlich an. Das verändert nicht nur die Art des Wettkampfes an sich, sondern hat auch täglich Einfluss auf die Favorit*innen der jeweiligen Turniere. So strukturierte sich beispielsweise bereits das Golfturnier der Herren aufgrund von zwei Fällen im amerikanischen und spanischen Team komplett um. Ein Desaster, besonders für die qualifizierten Sportler*innen, welche ihre Leistung über ein Jahr unter erschwerten Bedingungen aufrechterhielten, um an den verschobenen Spielen in Tokio teilnehmen zu können.

Statt von Spielfeld, Beckenrand oder Rennbahn berichten viele Medien mittlerweile per Live-Schalte aus Hotelzimmern und Quarantänequartieren, über das Leben der Erkrankten in japanischer Isolation. Die Psyche leidet und der Körper natürlich auch. Wer es sonst gewohnt ist, mehrere Stunden am Tag auf dem Rad zu sitzen oder Bahnen zu schwimmen, der kommt in der Quarantäne aus dem Training. Ein Wiedereinstig nach zwei Wochen Pause erscheint unmöglich. Denn selbst, wenn die Viruslast gering ist und die Sportler*innen im Zimmer theoretisch Kraftübungen machen könnten, so lassen die strengen Regeln der Organisatoren dies nicht zu. Essen bestellen, wie hier in Deutschland, ist nicht. Und auch Sportgeräte dürfen nicht ins Hotel gebracht werden. Die Gefahr sei zu groß. „Es ist ganz schwierig, hier in das Hotel etwas reinzubekommen. Vor dem Haupteingang stehen drei Wachleute, die Türen sind verschlossen“, so Simon Geschke im Interview mit der Sportschau. Auch der Alltag in den Unterkünften der Athlet*innen ist monotoner und strukturierter als unter normalen Umständen. Statt Feiern und Public-Viewing heißt es Selbstisolation und Vorsichtsmaßnahmen. Nur zum Essen und Training trifft man in festgelegten Gruppen zusammen. Der Rest der Zeit wird auf den Zimmern verbracht.

Trostlos erscheint es auch am Rand der Wettkämpfe. Touristen wurden, im Gegensatz zur EM, bei den Olympischen Spielen schon früh ausgeschlossen. Die wenigen Zuschauer sind Anwohner*innen, Teammitglieder, Coaches, Journalist*innen – alle getestet, alle auf Abstand. Niemand will ein Risiko eingehen und trotzdem konnten Fälle nicht ausgeschlossen werden. Das beschäftigt nicht nur die Teams, sondern auch die japanische Politik.

Bereits lange vor den Spielen kam in der Bevölkerung Unruhe auf. Viele Japaner*innen forderten die Regierung und die Verantwortlichen auf, die Spiele abzusagen. Doch Olympia ist eben nicht nur sportlicher Wettkampf, sondern auch politisches Theater, Repräsentation und Machtdemonstration.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.