AfD und „Querdenken“ – Warum ist der Osten so rechts?

Wehende Deutschlandfahne

Nun kann man sagen, dass das alles doch schon um die 30 Jahre her ist. Ist es ja schließlich auch. Aber die Wohlstandsunterschiede sind eben auch heute noch präsent. Während das durchschnittliche Nettovermögen pro Kopf in Westdeutschland bei ca. 120.000 Euro liegt, sind es in Ostdeutschland nur ca. 55.000 Euro (Quelle: BPB) – also nicht einmal die Hälfte. Hinzu kommen gravierende Einkommensunterschiede: Laut einem ZEIT-Artikel verdienen in den alten Bundesländern sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte 3.526 brutto, in den neuen Bundesländern sind es gerade einmal 2.827 Euro – monatlich also etwa 700 Euro Unterschied.  

Natürlich kann man sagen, dass im Osten weniger Großunternehmen angesiedelt sind, dass es weniger Tarifverträge gibt und dass die hier ansässigen Branchen nicht unbedingt die umsatzstärksten sind. Aber was ist das bitte für eine Begründung? Das ist kein legitimer Punkt, sondern ein struktureller Nachteil, der natürlich Konsequenzen nach sich zieht und korrigiert werden sollte, anstatt als stichhaltiges Argument verkauft zu werden. Und auch der altbekannte Spruch „Aber bei euch sind die Mieten doch viel niedriger“ ist unangebracht, um die Gehaltsunterschiede zu rechtfertigen – denn tatsächlich erklären die niedrigeren Lebenshaltungskosten in Ostdeutschland nur 5,3 Prozent der Lohnlücke (Quelle: karriere.de).

Unterrepräsentation Ostdeutscher in der Elite

Eine weitere Ursache für die Unzufriedenheit vieler Ostdeutscher ist die personelle Unterrepräsentation. Der Anteil ostdeutscher Bundestagsabgeordneter entspricht zwar in etwa ihrem Anteil an der Bevölkerung – allerdings ist die Politik der wohl einzige Bereich, in dem die prozentuale Verteilung der Sitze ansatzweise aufgeht. In der Wirtschaft sind gerade einmal 1,6 Prozent der Führungspositionen mit Ostdeutschen besetzt, in der Justiz sind es 5 Prozent (Quelle: rnd.de).

Leider stellt hier auch die normalerweise so bunte und vielfältige Medienwelt keine Ausnahme dar. Die Verlage mit dem höchsten Marktanteil sitzen in Hamburg, Stuttgart, Essen, München und anderen westdeutschen Großstädten. Der*die durchschnittliche Journalist*in stammt aus einer westdeutschen Akademikerfamilie und macht Berichterstattung für genau dieselbe Zielgruppe (Quelle. rnd.de). Häufig basieren Medieninhalte auf Klischees, die gern genutzt werden, weil sie sich gut als Schlagzeilen machen. Ostdeutsche – das sind die, die in dieselbe Schublade gehören wie die AfD, Querdenker*innen und Probleme im Zusammenhang mit Rechtsextremismus allgemein. In audiovisuellen Medien rundet der sächsische Dialekt das klassische Bild des*der dümmlichen, frustrierten und nachtragenden Ostdeutschen ab.

Ein Freigeist in Freiheit. Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade schreibe, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo am Wasser. Oder auf alten Zeitungen, um jede Menge Farbe auf unbeschriebene Blätter zu klatschen. Aber am allerliebsten lebe ich: la vida loca!