Pick Me Girl: Ich bin nicht wie andere Frauen!

Pick me girl

Kaum öffnet man YouTube, Instagram oder TikTok, springen sie einen an wie die Hyänen aus König der Löwen. Hübsch zurechtgemachte Frauen, die behaupten, sie seien einfach nicht wie die anderen Mädchen und überhaupt kämen sie mit Männern auch viel besser klar. Was ist das für ein Verhalten und warum haben Frauen so häufig das Gefühl, dass sie mit anderen Frauen konkurrieren müssten?

Als Pick Me Girl bezeichnet man Frauen oder Mädchen, die alles tun, um Männer zu beeindrucken und ihnen deutlich zu machen, dass sie „nicht wie andere Mädchen“ sind. Betrachtet man dieses Verhalten genauer, so erkennt man hinter der Fassade relativ schnell internalisierte Frauenfeindlichkeit. Das meint zumindest das Urban Dictionary. Aber ist es wirklich so einfach?

Pick Me Girls verhalten sich häufig reserviert oder zurückweisend gegenüber anderen Frauen, um bei Männern als „die Gute“ zu gelten. Besonders eindrucksvoll konnte man dieses Verhalten während der Me-Too-Debatte auf Twitter beobachten, als Frauen sich in die Diskussion einmischten und sich auf die Seite der Männer stellten. Wobei „Männer“ hier lediglich Personen meint, die nicht in der Lage sind, die körperlichen und psychischen Grenzen von anderen Menschen zu akzeptieren.

In einer Art vorauseilendem Gehorsam schrieben einige Frauen unter die Erfahrungsberichte von Opfern sexueller Übergriffe Kommentare wie: „Stell dich nicht so an. Kein Wunder, wenn du so rumläufst.“ Oder „Ach komm, wie sollen Männer denn sonst flirten? Hab dich mal nicht so.“ Solidarität sieht sicher anders aus.

Quelle: micheyedraws

Ein Pick Me Girl ist dementsprechend eine misogyne Frau, die andere Frauen runtermacht, um männlichen Zuspruch zu erhalten und somit besser dazustehen. Es geht im übertragenen Sinne um das eigene Territorium. Nur leben wir eben nicht mehr in der Steinzeit.

Der Arche-Typ des Pick Me Girls ist – und jetzt müssen alle Fans mal ganz kurz sehr stark sein – Taylor Swift in ihrem Song „You belong with me“. Ja, richtig. Im Lied vergleicht sie sich mit der Freundin ihres Schwarms, die sich sehr viel femininer und mädchenhafter kleidet als sie selbst. In den Lyrics wird relativ schnell klar, was Taylor über den Kleidungsstil und das Verhalten der anderen Frau denkt. Sie ist der Meinung, dass dieser Junge viel besser zu ihr passt, weil sie ihn einfach versteht. Sie trägt im Gegensatz zu anderen Frauen T-Shirts und Shorts, schminkt sich kaum und ist ein ziemlicher Nerd. Attribute, die sie von anderen Mädchen abgrenzen. Na klar. Das ganze Konzept des Songs beruht auf der Idee, dass man zwar das Sexsymbol datet, aber dann doch lieber das süße Mädchen von nebenan heiratet. Eine Vorstellung, die nicht nur unter Pick Me Girls boomt.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.