Pick Me Girl: Ich bin nicht wie andere Frauen!

Pick me girl

Pick Me Twitter

Nachdem das Phänomen in der breiten Masse einen Namen bekommen hatte, konnte natürlich auch Twitter nicht widerstehen. In 2018 ging #tweetlikeapickme viral. Unter diesem Hastag twitterten Frauen wie Männer Sätze, bei denen man vor Scham im Erdboden versinken möchte. Denn viele dieser Tweets wandeln auf dem schmalen Grat zwischen Ironie und brachialer Ehrlichkeit.

Mittlerweile lassen sich sogar unterschiedliche Kategorien feststellen. Beispielsweise finden sich unter den Pick Me Girls die Ehefrauen. Diese wachsen über sich hinaus, um von Männern als möglichst attraktive und angenehme Partnerin fürs Leben betrachtet zu werden. Sie haben häufig übertriebene Ansprüche an sich selbst und ihr Umfeld und vertreten das Ehebild der 1950er Jahre. Aussagen wie: „Mein Mann muss sich im Haushalt um nichts kümmern. Das ist Frauenarbeit“, sind hier weit verbreitet. Die Krux an diesem Beziehungsbild ist jedoch, dass die Frau mit der Zeit die Mutterrolle übernimmt und der Mann infantilisiert wird. Das scheint für viele Frauen, die dieses Rollenbild vertreten, jedoch kein Problem darzustellen. Hauptsache sie sind nicht so aufreizend und gestylt wie die – aus ihrer Sicht – verzweifelten Singles.

Sowieso scheint Slutshaming unter Pick Me Girls hoch im Kurs zu stehen. Da werden Frauen für kurze Kleider, zu viel Makeup und ihren Tanzstil beleidigt. Es wird Bodyshaming betrieben als wäre es ein Wettbewerb und aus einem falsch verstandenen Feminismus heraus werden Witze über Sexarbeiter*innen gemacht.

Was diese Frauen häufig nicht zu verstehen scheinen ist, dass es nicht hilfreich ist, seine Energie gegen andere Frauen einzusetzen. Denn das bringt niemanden langfristig gesehen weiter. Die Zauberwörter heißen auch hier mal wieder Solidarität und Aufklärung.

Das Problem ist, dass man mit so einem Verhalten nicht nur anderen Frauen schadet, sondern auch sich selbst. Mir ist schon klar, dass viele dieser Damen derartige Äußerungen tätigen, ohne sich dessen bewusst zu sein, doch das macht es nicht weniger dramatisch. Denn auch verdeckte Frauenfeindlichkeit ist Frauenfeindlichkeit. Also, warum nicht mal Frauenbanden gründen und sich füreinander einsetzen? Macht auch viel mehr Spaß und wer weiß, vielleicht merkt man dabei auch, dass man doch ganz genau so ist wie andere Mädchen.

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Bildquelle: Yan Krukov von Pexels; CC0-Lizenz

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.