That Girl nervt – und ich sag dir auch warum

Frau am Laptop. Bild: Pexels

Sie steht um 5 Uhr auf, trinkt Gurkenwasser vor dem Frühstück, macht 30 Minuten Sport, duscht mit wohlriechenden Seifen, meditiert, liest 100 Seiten pro Tag und hat absurd viele Kerzen und Pflanzen in ihrer Wohnung. Außerdem macht sie darüber auch noch ästhetisch schöne Videos und strahlt aus ihrer Mitte heraus in die Kamera. Ugh, Neid.  

Das That Girl-Phänomen flutete in den vergangenen Monaten alle Kanäle. Gerade junge Frauen sprangen auf den Trend auf, organisierten ihr Leben, fokussierten sich auf sich selbst, machten Sport und filmten ihren Alltag. Die Suchanfrage „How to become that girl“ trendete nicht nur auf YouTube. Auch Instagram und Tiktok schwappten über vor gesunden, gut gelaunten, erfolgreichen, produktiven, jungen Frauen. Das sollte eine Inspiration sein und klingt ja auch erstmal gar nicht so schlecht, denn wenn That Girl eins nicht macht, dann ist es sonntags bis in die Puppen im Bett liegen, weil sie Samstag zu lange feiern war.

Schein und sein

Das Ding ist: Becoming that girl klingt sehr einfach. Zumindest auf den ersten Blick. Denn erstens sind alle Dinge, die dort propagiert werden, kostengünstig und zweitens sehr einfach messbar.

100 Seiten pro Tag lesen, 20 Minuten Tagebuch führen, höchstens 30 Minuten Social Media, keine Technik nach 20 Uhr…

Die Liste ist lang. Aber sie ist auch auf den individuellen Tagesablauf anpassbar und schafft Routinen. Darüber hinaus kostet sie nicht viel. Sport kann man Zuhause machen, gesundes Essen ist nicht teuer und früh ins Bett gehen ist umsonst. Doch es gibt einen Haken, denn wenn ich meinen perfekten Tagesablauf nun auf YouTube teilen möchte, brauche ich Equipment. Eine Kamera, Licht, Mikrophone, etc. Und natürlich diese unfassbar schöne Wohnung im Herzen von London, Paris oder sonst einer Metropole. Diese Wohnung, die wir alle aus den Videos kennen. Mit ihren türkisfarbenen Wänden, ihren roséfarbenen Betten und den weißen Vorhängen, die um 6 Uhr früh sacht im Wind wehen. Im Idealfall steht im Badezimmer die hübsche Kosmetiklinie direkt neben der Haarkur und den goldenen Gesichtsmasken. Ihr merkt, worauf ich hinauswill.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.