Eine Liebeserklärung an: “Fest & Flauschig”

Du liegst völlig zerstört am Sonntagnachmittag im Bett, das bloße Existieren bereitet dir größte Anstrengung, deine Netflix-Liste ist durchgesuchtet und die TK-Pizza ist auch schon aufgemampft. Der einzige Lichtblick am Ende deines Katerleidens: Fest & Flauschig. Wenn eines der fabelhaften, von Marco Göllner gesprochenen Intros beginnt, ist die Welt wieder im Gleichgewicht, du lehnst deinen geschundenen Körper zufrieden zurück und freust dich auf eine Stunde bester Unterhaltung.

Bestes Katerprogramm

Denn es gibt kaum etwas Besseres, als den oftmals trivialen, aber mindestens genauso häufig auch ernsten Gesprächen zwischen dem Anarchojournalisten Jan Böhmermann und dem Alles-oder-Nichtskönner Olli Schulz zu zuhören. 2016 wurde aus “Sanft & Sorgfältig” “Fest & Flauschig” und der Podcast fand ein Zuhause bei Spotify. Der Umzug vom langjährigen Arbeitgeber radioeins hin zum Streamingdienst tat der Qualität der Sendung jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil: Die Show wurde dadurch noch cooler und authentischer, denn seither können Janolli so viel fluchen und alle Schweigers und Trumps dieser Welt öffentlich haten, wie sie möchten. Beim Zuhören fühlt es sich an, als würden deine beiden besten Freunde am WG-Esstisch ein kleines Pläuschchen halten.

Mischung aus Therapiestunde und Beipackzettel

Jeden Sonntag wird eine neue Folge der wohl unkonventionellsten Radioshow im deutschsprachigen Raum hochgeladen. Die Sendung verfolgt dabei keinen strikten Ablauf oder behandelt vorab festgelegte Themen, es ist eher eine Dokumentation der persönlichen Erlebnisse der beiden. Wenn Olli mies verkatert ist oder Jan bei einem Werderspiel war oder fast Til Schweiger im Flieger treffen musste, wird eben darüber genörgelt oder sinniert. Sie selbst nennen ihr Format eine Mischung aus Therapiestunde und Beipackzettel, man bekommt immer ein bisschen mehr als anderswo, aber auch nicht zu viel, sodass die beiden Witzbolde trotzdem noch Mysterien bleiben.

Wöchentlich gepflegter Unsinn

Von der Auftaktfolge “Aufbau West” bis zu Podcast-Folgen wie “Morgenstund hat Jan und Olli im Mund” diskutieren die beiden nach Lust und Laune über das Leben, kommentieren das aktuelle Geschehen in der Gesellschaft, Politik und ihrer Branche und geben ihre Lieblings-“Die Großen Fünf”– Listen zum Besten. Einige der Folgen führt man sich manchmal ausnahmsweise auch nicht in seinen heimischen Gemächern zu Gemüte, sondern in der Öffentlichkeit und das kann ganz schnell peinlich werden. Hysterische Lachanfälle in der U-Bahn ahoi!

Inzwischen lauschen Hunderttausende Menschen Böhmermanns und Schulz’ gepflegtem Unsinn jede Woche. Besonders beliebt ist die intellektuelle Palaverei in den Großstädten Berlin, Hamburg und München. Aber auch in kleinen, norddeutschen Kuhkäffern wie Vechta oder Achim haben sie eine große Anzahl an Fans, das liegt vermutlich nicht zuletzt an der Nähe zu Böhmermanns Heimatstadt Bremen.

Intelligentes Palaver

Der Podcast ist außerdem regelmäßig Teil des Lehrstoffes in vielen Schulen, denn beim Zuhören lernt man auch einiges von den intelligenten Herren. Wenn man mal keinen Bock auf das Hören der Sendung hat, kann man sich auch einfach die Shownotes des Fans Fester und Flauschiger durchlesen. Die von Jan und Olli handverlesene Musik-Playlist zum Podcast mit dem schönen Namen “Fidi & Bumsi” zeigt außerdem, dass die beiden nicht nur hervorragend quatschen können, sondern auch einen exzellenten Musikgeschmack besitzen, welchen sie in ihrer Show mit jeder Menge Backgroundwissen und Funfacts untermauern.

Jan und Olli sind der Beweis, dass deutsche Comedy tatsächlich noch existiert – und das ganz ohne Fremdscham-Gefühl à la Mario Barth. Sie sind echte Showmaster und haben dem sonst oft lamen Podcast-Genre neuen Wind eingehaucht. Janolli: bitte macht genau so spitzfindig und kaltschnäuzig weiter, denn ihr seid einer der wenigen Gründe, warum sich Fernsehen und Radio in Deutschland noch lohnen.

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Bildquelle: Schulz und Böhmermann/ Youtube

Praktikantin: Nachdem ich mich nun nach vier wunderschönen, bier- und lehrreichen Jahren des Sozialwissenschaftsstudiums Bachelorette schimpfen darf, zieht es mich aus dem schnuckeligen norddeutschen Oldenburg nach München. Hier möchte ich nach dem akademischen Geschreibsel und soziologischen Analysieren an der Uni jetzt über Sachen schreiben, die ich wirklich mag. Und das geht am besten bei ZEITjUNG.