Storytime: Um Geld betteln in Serbien

Die Stadt Belgrad in Serbien

Egal ob Bettgeschichten, Abenteuer im Auslandssemester oder feucht-fröhliche Jugendsünden: Wir teilen einfach alles mit euch. In diesem Format plaudern die ZEITjUNG-Autor*innen munter aus dem Nähkästchen und geben tiefe Einblicke in ihr Leben weit weg von der Laptop-Tastatur. Macht euch gefasst auf unsere lustigsten, peinlichsten und erotischsten Erlebnisse!

Nach meinem Abitur im Jahr 2018 haben mein Freund und ich uns ein Interrail-Ticket gekauft und beschlossen, 30 Tage lang durch Süd- und Osteuropa zu reisen. Wir waren ziemlich gespannt darauf, das erste Mal so weit von Zuhause entfernt zu sein, nur Zeit für uns zu haben und nebenbei die ersten Backpacking-Erfahrungen zu sammeln. Tatsächlich wurde die Reise zu einem der schönsten Erlebnisse unserer Beziehung – so schön, dass wir im nächsten Sommer gleich noch eine Fortsetzung hinterherschoben. Trotzdem gab es auch einige negative Vorfälle, die uns bis heute im Kopf geblieben sind. Von einem dieser Ereignisse möchte ich euch heute erzählen.

Wir waren etwa bei der Hälfte unserer Reisezeit angelangt, hatten bereits Wien und Zagreb besucht, einige Tage an der kroatischen Adria verbracht und wollten uns nun von Budva, einer Küstenstadt in Montenegro, auf den Weg in die serbische Hauptstadt Belgrad machen. Da unser Zug ziemlich früh abfahren sollte, hatten wir uns einen Wecker gestellt, um in Ruhe aus unserem Hostel auszuchecken und noch etwas zu essen zu besorgen. Nachdem wir unser Hab und Gut in unseren Reiserucksäcken verstaut hatten, wollten wir die Tür unseres Zimmers aufschließen – doch vom Schlüssel keine Spur. Wir schauten unter dem Bett, in unseren Kulturbeuteln und all unseren Hosentaschen, konnten aber auch nach einer halben Stunde nichts finden. Langsam wurden wir panisch: Wir hatten in Belgrad bereits eine Unterkunft gebucht – wenn wir den Zug verpassen sollten, hätten wir keine weitere Chance, am selben Tag dort anzukommen. Aus unserer Not heraus entschieden wir uns schließlich dazu, aus dem winzigen Fenster des Hostelzimmers herauszuklettern (zum Glück hatten wir einen Raum im Erdgeschoss bekommen). Geradeso pünktlich schafften wir es, uns auf den Weg zum Bahnhof zu machen – an einen Zwischenstopp im Supermarkt war allerdings nicht mehr zu denken.

Egal, es würde schon am Bahnhof die Möglichkeit geben, uns etwas Proviant zu besorgen – schließlich standen uns 13 Stunden Fahrt bevor (ja, richtig gehört). Leider war die Ausbeute auch dort ziemlich mau: An der Station gab es lediglich einen kleinen Kiosk, bei dem mein Freund eine Packung Chips und zwei Äpfel kaufen konnte. Diese teilten wir uns über die gesamte Strecke ein. In Belgrad angekommen, wollten wir dementsprechend als erstes das Loch in unseren Mägen füllen. Da wir nur noch etwa acht Euro bei uns hatten, war die erste Station ein Bankautomat. Der*die Ein oder Andere von euch darf jetzt stutzig werden: Belgrad? Serbien? Euro? Ja, da war was. Das Land im Balkan gilt zwar als Beitrittskandidat zur Europäischen Union, hat aber, anders als sein Nachbarstaat Montenegro, den Euro noch nicht eingeführt. Drei Mal dürft ihr jetzt raten, wer sich darüber nicht rechtzeitig informiert hatte – noch ein Grund mehr also, sich schnellstmöglich mit der heimischen Währung auszustatten. Aus welchem Grund auch immer waren allerdings ausnahmslos alle Bankautomaten in der näheren Umgebung bereits geschlossen und wir hatten keine Chance, überhaupt Geld abzuheben. Da uns der Hunger langsam wirklich zu schaffen machte, fragten wir in verschiedenen Bäckereien und Kiosks nach, ob wir ausnahmsweise mit ausländischer Währung bezahlen durften – leider ohne Erfolg. Ein Restaurant bot uns schließlich die Möglichkeit, für fünf Euro eine Pizza zu kaufen, die wir uns zu zweit geteilt haben. Hungrig waren wir danach immer noch, hatten allerdings keine andere Wahl, als erst einmal schlafen zu gehen.