Fütterer is(s)t anders: Ich würde mich ja vegan ernähren, wenn…

Leckeres, veganes Picknick

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

Ich sitze mit meiner Freundin auf der Picknickdecke im Park, vor uns gefüllte Tupperdosen mit Couscous, Linsensalat, Hummus, Oliven und Baguette. Sie beäugt unser Abendessen, hält kurz inne, seufzt, und sagt dann: „Ich würde mich ja auch mehr vegan ernähren, wenn es nicht so kompliziert wäre“. Ich nicke. Denke mir aber insgeheim: „Als kompliziert würde ich meinen Einkauf bei Rewe jetzt nicht wirklich bezeichnen.“ Meine Freundin scheint meine Gedanken gelesen – oder meinen Augenroller gesehen – zu haben. Denn sie schießt hinterher: „Und teuer. Und umständlich. Und ich auch wirklich alle Nährstoffe bekommen würde.“

In Gesprächen mit meiner Familie und meinen Freund*innen habe ich oft gemerkt, dass sie eigentlich total offen gegenüber einer pflanzlichen Ernährung sind, aber von diversen Sorgen abgehalten werden, den ersten Schritt zu machen. Wenn halt einfach das kleine Wörtchen wenn nicht wäre!

Ich kann das nur zu gut verstehen. Bedenken gegenüber einer Ernährungsumstellung hatte ich früher ja selbst zur Genüge. Allerdings muss ich sagen, dass mir das „wenn“ sehr lange im Weg stand. Viele meiner Sorgen über vegane Ernährung waren total unberechtigt. Hier sind einige Sorgen und wieso sie (fast) unbegründet sind.

Ich würde mich ja vegan ernähren, wenn….

… es nicht so teuer wäre.

Ja, die Quinoa-Dinkel-Pflanzenmilch, die Spirelli aus Linsenmehl und das zucker- und glutenfreie Granola mit Bourbonvanille in Demeter-Qualität sind sicherlich etwas kostspieliger als H-Milch, Spaghetti und Knuspermüsli von Aldi. Aber: Du brauchst diese fancy Produkte gar nicht, um dich gesund und ausgewogen vegan zu ernähren. Grundlage deiner Ernährung sollten frisches Gemüse, Obst, Reis, Nudeln, Getreide, Linsen, Bohnen, Tofu, Nüsse, Samen und hochwertige Öle sein. Der Schlüssel lautet: Frisch kochen. Und auf kostspielige Ersatzprodukte verzichten. Andere Produkte, wie veganen Joghurt oder Pflanzendrinks, gibt es mittlerweile schon total günstig in fast allen Supermärkten, auch im Discounter. Wenn du deine jetzige Ernährung eins zu eins ersetzen möchtest, kann es aufgrund Käse-Ersatz & Co. natürlich etwas teurer werden. Eine low-budget-Pflanzenkost ist aber auf jeden Fall möglich.

… es nicht so aufwendig wäre.

Ein veganes Weihnachtsmenü ist aufwendig. Vegane Alltagsküche aber ganz und gar nicht. Es kommt natürlich immer darauf an, wie viel Zeit du bereit bist, zu investieren. Und ob du momentan eher jeden Tag selbst kochst oder dir lieber eine Pizza in den Ofen schiebst. Fakt ist: Vegan zu kochen bedeutet nicht mehr Aufwand, als ein neues Rezept auszuprobieren.

Für den Start ersetzt du beim Frühstücksporridge und im Kaffee Kuhmilch durch Haferdrink. Aufs Brot kommen ab jetzt Hummus, Avocado, Nussmus und andere vegane Aufstriche. Nudeln mit Tomatensoße und Zucchini stehen innerhalb von 15 Minuten auf dem Tisch, genau wie die Gemüse-Reispfanne. Einen Beispieltag mit einfachen, veganen Rezepten findest du hier.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.