Fütterer is(s)t anders: Warum ich es satt habe, mich immer rechtfertigen zu müssen

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Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise.

Vegan sein könnte so entspannt sein. Wenn man nicht die ganze Zeit darüber reden und sich dafür rechtfertigen müsste. Sobald man die Tupperdose mit Ofengemüse in der Mittagspause aus der Tasche zieht, geht es los: „Ach, du bist vegan? Seit wann machst du das schon?“ – „Hast du keine Angst vor einem Mangel?“ – „Findest du das nicht super schwierig?“. – Schwierig finde ich eigentlich nur, immer wieder dieselben Fragen zu beantworten – ob ich will, oder nicht.

Mal kurz die Welt retten

Okay okay. Ich gebe zu: Als ich mich vor mehr als acht Jahren für eine vegane Ernährung entschieden habe, wollte ich am liebsten sofort die ganze Welt dazu bekehren, auch auf pflanzliche Lebensmittel zu setzen. Als ehemalige Fleischliebhaberin war ich so von der veganen Ernährung überrascht (im positiven Sinne) und kam auf die ganzen Infos über Massentierhaltung nicht klar. Ich dachte mir: „Jeder, der sich darüber informiert und ein bisschen Grips oder Herz hat, muss doch vegan werden.“ Um jede Gelegenheit, darüber reden zu können, war ich froh.

Dass das ziemlich nervig war, habe ich gemerkt, als mir Freund*innen und Familie mehr Abwehr als Verständnis entgegenbrachten.

Aber ich hatte noch einen Drang: Mich zu erklären, dass ich mich nun vegan ernähre. Und mich sogar dafür zu entschuldigen. Schließlich wollte ich keine Unannehmlichkeiten machen oder ständig im Mittelpunkt stehen. Kleinlaut habe ich auf Essenseinladungen mit einer langen Nachricht reagiert, in der ich ausführlich erklärte, dass ich mich vegan ernähre, aber überhaupt keine Umstände machen möchte und auch happy mit Brot und Hummus sei. Wenn mir ein Schokoriegel angeboten wurde, habe ich mit „Sorry, ich bin vegan“ reagiert.

Der Zwang der anderen

Spannend finde ich, dass sich meine Gesprächspartner*innen immer selbst rechtfertigen mussten – ohne, dass ich auch nur ein Wort gesagt habe. Bekommen sie mit, dass ich kein Fleisch esse, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ich esse ja auch nur noch ganz wenig Fleisch. Und wenn, dann nur bio.“ Meine Standardantwort lautet dann: „Super!“ Dann muss ich mir in der Regel einen langen Monolog anhören, wie schlimm Massentierhaltung ist und wie lecker vegan doch sein kann. Und ich denke mir: „Ja, das weiß ich alles. Warum tust du es dann immer noch?“ Sage aber: „Das ist großartig! Die Hauptsache ist doch, dass man ein Bewusstsein für die Problematik entwickelt.“ Mein Gegenüber lächelt dann triumphierend.