Fütterer is(s)t anders: Die Sache mit dem Vitamin B12

Mann hat eine Pille auf der Zunge. Bild: Unsplash

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

„Vegan?“ Mein Gegenüber zuckt mit den Achseln und trinkt einen großen Schluck Coke zero. „Da muss man doch Vitamin B12 supplementieren. Hört sich nicht sehr natürlich für mich an.“ Wieder eines dieser Gespräche, bei denen ich am liebsten laut zu schreien anfangen würde. Aus Höflichkeit mache ich das natürlich nicht, kann mir aber einen Kommentar zur natürlichen Coke zero nur schwer verkneifen. Zeit, DAS Vegan-Thema schlechthin einmal näher zu beleuchten und zu beurteilen, ob eine Supplementierung unnatürlich ist. Ladys and Gentlemen, Vorhang auf für Vitamin B12.

Was ist Vitamin B12 und wieso brauchen wir es?

Vitamin B12 ist ein wasserlösliches Vitamin bakteriellen Ursprungs. Das Vitamin kommt im Boden vor und reichert sich auf natürliche Weise in tierischen Produkten an. Es ist daher auch ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten, zum Beispiel in Fleisch, Fisch und Käse. Bakterien im Darm von Tieren und Menschen stellen selbst Vitamin B12 her. Der Haken: Die Herstellung findet im Dickdarm statt, die Aufnahme allerdings im Dünndarm. Um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten, muss Vitamin B12 daher über Lebensmittel aufgenommen werden.

Die Funktionen im Körper sind vielfältig: B12 ist u.a. an der DNA-Synthese sowie der Bildung von roten Blutkörperchen beteiligt und unterstützt den Aufbau von Nervenzellen. Im Gegensatz zu anderen Vitaminen kann der Körper Vitamin B12 in größeren Mengen speichern, u.a. in der Leber. Wenn die Speicher gefüllt sind, reichen die Vorräte an B12 sogar für mehrere Jahre, ohne dass es von außen zugeführt werden muss. Zu Beginn einer Ernährungsumstellung auf vegan muss man also keine Unterversorgung des Nährstoffs befürchten. Wer sich allerdings länger rein pflanzlich ernährt, der sollte zusätzlich Vitamin B12 einnehmen, um einer Unterversorgung vorzubeugen. Eine Unterversorgung bzw. ein Mangel mit dem Vitamin äußert sich in Zellteilungsstörungen und kann sich in Müdigkeit, Haarausfall, Gedächtnisschwäche, depressive Verstimmung oder Muskelschwäche zeigen.

Nicht nur Veganer*innen sind unterversorgt

An vegan lebenden Personen führt der Weg um eine Supplementierung nicht vorbei. Die Versorgung mit Vitamin B12 sollte allerdings nicht nur Veganer*innen beschäftigen. Eine ausreichende Versorgung mit B12 ist vielmehr ein Problem, das die komplette Gesellschaft betrifft.

Denn: Nur, weil man B12 über die Nahrung zuführt, heißt das nicht, dass der Körper es auch aufnimmt. Das kann zum Beispiel bei einer gestörten Aufnahme im Dünndarm der Fall sein. Auch ein erhöhter Verbrauch von Vitamin B12 kann dazu führen, dass der Vitamin-B12-Wert im Blut absinkt.

Ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung haben daher nicht nur Veganer*innen, sondern auch Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Ebenfalls Stillende, Schwangere, Menschen mit Autoimmunerkrankungen, alte Menschen oder Personen, die an Magersucht leiden, sollten auf eine ausreichende Zufuhr mit Vitamin B12 achten.

Das Gute ist: Wer sich vegan ernährt, der weiß, dass er das tut und kann mit einer Supplementierung sofort etwaigen Unterversorgungen entgegenwirken. Viele Menschen mit einer gestörten Vitamin-Aufnahme merken erst sehr spät, dass sie unter einer Unterversorgung leiden.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.