Welthungertag: Brot für die Welt, aber bitte Bio

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Heute ist Welthungertag, ein Tag zum Gedenken der 815 Millionen Menschen, die momentan vom Tod durch Verhungern bzw. durch hungerbedingte Krankheiten bedroht sind. Tendenz steigend. Das können wir uns in unseren Breiten kaum vorstellen, weshalb auch die derzeitige Hungerkrise in Afrika spurlos an uns vorbei zieht. Noch. Denn langfristig betrachtet stehen auch wir vor einem ähnlichen Problem. Schon jetzt fliehen hunderttausende Hungerflüchtlinge, aufgrund von anhaltenden politischen Unruhen und Krieg, Ernteverlusten durch Dürre und Überschwemmungen infolge des Klimawandels und dem wachsendem Lebensmittelbedarf einer stetig zunehmenden Bevölkerung, vor Unter- beziehungsweise Mangelernährung.

 

Lebensmittel landen in Futterkelchen

 

Die riesige Zahl an Hungerleidenden kommt nicht zustande, weil es absolut an Nahrungsmitteln mangelt, sondern weil diese ungerecht verteilt sind. Der europäische Agrarkolonialismus sorgt durch den Ankauf riesiger Ländereien zum Anbau von Soja und Mais in Südamerika dafür, dass Nahrungsmittel zwar produziert werden, aber statt in den Mündern hungernder Menschen zu landen, in den Futterkelchen unserer Fleischproduktion für unnatürliche Mästung genutzt werden. Zu Lasten der Ärmeren und des Planeten.

Mangel trifft immer zuerst jene, die am wenigsten über Ressourcen verfügen. Wasserknappheit und Klimaveränderungen erschweren den Fortschritt landwirtschaftlicher Produktion in Entwicklungsländern, die häufig aufgrund von Not und korrupter Staatsführung den Anspruch auf fruchtbares Land, Regenwälder oder die Zugänge zum Meer bereitwillig an die Konzerne der Industrieländer verkaufen. Der Erlös landet jedoch nicht in den Händen der Bauern oder Fischer, sondern in denen derer, die ohnehin schon zu viel haben. Indem wir das weltweite Monopol der Landwirtschaft in unseren Klauen halten, fällt uns auch die Verantwortung für den Welthunger in den Schoß.

 

Lebensmittel landen auf dem Müll

 

Während jeder zehnte Mensch dieser Erde an Hunger leidet, schmeißt ein deutscher Haushalt jedes Jahr 240 kg an Lebensmitteln in den Müll, 1/6 davon ungeöffnet. Der in Europa produzierte Lebensmittelmüll würde ausreichen, um alle Hungernden zwei mal zu ernähren! Die Produktionsüberschüsse unserer profitorientierten Industrie werden staatlich subventioniert zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt zur Verfügung gestellt. So wird zum Beispiel amerikanisches Milchpulver in Südamerika billiger verkauft, als die dort produzierte echte Milch, was zum Ruin der lokalen Milchbauern führt.

In seinem Buch „Food Crash“ beschreibt der Agrarwissenschaftler Felix zu Löwenstein die Vielschichtigkeit der fatalen Folgen unseres konventionellen Landbaus und der chronischen Ausbeutung der Entwicklungsstaaten. Ein Teufelskreis, von Gier angetrieben, führt zu einer sich zuspitzenden Spirale aus Natur- und Hungerkatastrophen, wie wir sie derzeit in Afrika beobachten können.

 

Den Blick nach innen richten

 

Noch sehen wir getrost weg, wenn alle 3 Sekunden ein Mensch an Hunger stirbt, dabei ist klar, dass auch wir nicht ewig von der drohenden Ressourcenknappheit verschont bleiben. Das ist der Punkt, an dem wir uns eingestehen müssen, dass wir an diesem Welthungertag nicht bloß jenen gedenken, die Hunger leiden, sondern unseren Blick nach innen richten sollten. Wenn der Welthunger laut Umweltbundesamt mit dem bloßen Verzicht von einer fleischhaltigen Mahlzeit pro Woche einzudämmen ist, warum verschließen wir uns so vor diesen Ideen? Ist uns das Leben anderer wirklich so egal?

Der Philosoph Alain de Botton erklärt in seinem Talk „On the media“, warum uns eine Schießerei in Las Vegas, bei der 58 Menschen ihr Leben verlieren, erschüttert, uns andererseits die 8,8 Millionen Menschen, die jedes Jahr an den Folgen von Hunger sterben, völlig kalt lassen. Mit Vegas können wir uns identifizieren, wir können uns schöne Menschen in Anzügen und kurzen Kleidern Whisky trinkend vorstellen, wie sie aus Spaß Unmengen an Geld in Casinos verspielen, machen uns aber kein Bild, wenn es darum geht einen friedlichen Alltag in Somalia vors innere Auge zu führen. Wir wissen gar nicht, was verloren geht, wenn allein dieses Jahr im Südsudan 246 Menschen der Cholera erliegen. Und wenn in Kenia 23 von 47 Bezirken den Notstand ausrufen und um internationale Hilfe bitten, überrascht uns das kaum.

 

Kauf Bio!

 

Dazu kommt, dass die Zusammenhänge komplex sind. Auch mir raucht beim Lesen von „Food Crash“ der Schädel. Wir machen uns mit jedem Schritt mitverantwortlich für das Elend dieser Welt und das ist mehr Schuld, als ein Einzelner auf sich nehmen kann. Es gibt viele Vorschläge zur Verbesserung der gegenwärtigen Ernährungssituation. Der Kauf von saisonalen und regionalen Biolebensmitteln, auch, wenn diese mit deutlich höheren Kosten verbunden sind. Allein im Jahr 2011 betrugen die Kosten der Umweltschäden durch landwirtschaftliche Industrie bis zu 320 Mio Euro. Ein Preis, den am Ende die Allgemeinheit zahlt. Warum also nicht in Vorkasse gehen? Steigerung der Produktionsleistung wird den Welthunger nicht beenden, viel mehr liegt es an jedem Einzelnen für eine ökologische Produktion von Lebensmitteln zu einzustehen.

 

Die Zukunft unserer Kinder

 

„Was aber sollen wir unseren Kindern sagen, wenn sie uns fragen, wieso wir es soweit haben kommen lassen mit der Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen und Zukunftschancen?“, fragt zu Löwenstein. Es gibt verschiedene Antwortmöglichkeiten auf diese Frage. Wir könnten behaupten, nichts von all dem gewusst zu haben. Wir könnten entschuldigend hinzufügen, dass auch wir Sklaven dieses Systems waren, die aus Angst vor sozioökonomischer Ausgrenzung keinen anderen Ausweg hatten. Wir könnten mit dem Zeigefinger auf unserer Nachbarn zeigen und ausrufen: alle haben mitgemacht! Aber sind das nicht nur abgedroschene Ausreden, die wir in ähnlicher Form schon einmal vor einem Gericht zu hören bekommen haben? Es ist an der Zeit zur Abwechslung das Richtige zu tun. Am besten fangen wir heute damit an und halten für einen Tag inne in unserem Konsumverhalten.

Aus Achtsamkeit und Respekt im Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Gütern, sollten wir alle unsere Ernährungsgewohnheiten überdenken. Dazu gehört der Verzehr zertifizierter Lebensmittel aus ökologischem Anbau und die Einschränkung des Fleischkonsums. Denn das ist nicht nur förderlich für unsere Umwelt und Mitmenschen, sondern auch für unsere Gesundheit. Ein gutes Gewissen beim Essen lässt nicht nur Steine vom Herzen fallen, sondern steigert schließlich auch den Genuss.

 

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