Worüber wir nicht sprechen sollen – es jetzt aber trotzdem tun

Nimko Ali

Dieser Beitrag hier geht raus an die Frauen, die sich manchmal fragen: „Bin ich normal?“ und an diejenigen, die sich einfach besser verstehen lernen wollen. Nimko Ali hat ein Buch über weibliche Lebensgeschichten verfasst, in dem es vor allem um ein Körperteil geht: Die Vagina.

Und wer nun kurz davor ist, mit den Augen zu rollen oder den Artikel wegzuklicken, den bitte ich, hier zu bleiben. Ich verspreche, es lohnt sich! Denn so aufgeklärt, wie wir alle tun, sind wir in der Realität leider nur sehr selten.

Stellt euch einmal kurz folgende Szene vor: Ihr seid 16 Jahre alt, es ist Sommer und ihr habt für die Schule eure coole neue weiße Hose angezogen. Es ist super warm im Klassenzimmer, Doppelstunde Mathe und dann passierts. Ein Krampf, ein Ziehen im Unterleib. Eure Periode ist zu früh dran. Mist!

Was tut ihr?

Wenn es euch geht wie mir, dann habt ihr alleine bei der Vorstellung schon das Gesicht verzogen, denn solche Momente kennen wir alle. Da schießen uns tausend Fragen durch den Kopf. Wo bekomme ich jetzt unauffällig einen Tampon her? Kann ich aufstehen, ohne dass die Hose einen Fleck hat? Was, wenn der Lehrer mich nicht auf die Toilette gehen lässt? An binomische Formeln denkt da niemand mehr. Probleme, die Jungs in dem Alter nicht haben.

Dabei liegt das eigentliche Problem gar nicht an der Periode an sich, sondern darin, dass wir uns schämen. Für eine völlig normale Körperfunktion. Wer von uns hat denn nicht schon mal heimlich Periodenprodukte in der verkrampften Faust zum Schulklo geschmuggelt, als wäre es Kokain oder saß in der Bahn und merkte, dass die vier Stunden bis nach München ganz schön lang werden können, wenn sich jetzt nicht schnell eine Binde in der Tasche findet.

Warum schämen wir uns so sehr für unsere Periode, dass wir uns nur im Flüsterton über sie unterhalten?

Über diese und andere Fragen hat die Autorin und Frauenrechtlerin Nimko Ali nun ein Buch geschrieben. Die britische Aktivistin hatte es satt, dass wir trotz Feminismus und MeToo-Debatten keinen Schritt weiter sind, wenn es um die weibliche Anatomie geht, und so beschäftigt sie sich in ihrem Werk „Worüber wir nicht sprechen sollen – es jetzt aber trotzdem tun* mit der gesamten Bandbreite von weiblicher Lebensrealität.

Hierzu schildert sie nicht nur ihre eigne Geschichte, sondern führt auch Interviews mit Frauen aus völlig unterschiedlichen Ländern. Von London bis nach Somalia ist sie hierfür gereist und hat dabei Stimmen eingefangen, die mich zwischendurch dazu brachten, das Buch zuzuklappen, um einige Minuten über das gerade Gelesene nachzudenken.

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Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.