Zwischen zwei Nationen: Kulturelle Identität und Migrationshintergrund

Verschiedene Länderflaggen wehen im Wind

Die meisten Menschen, die in Deutschland leben, müssen sich über ihre kulturelle Identität keine Gedanken machen: Sie haben keinen Migrationshintergrund und werden fast ausschließlich mit der deutschen Leitkultur sozialisiert. Aber wie ist das, wenn beide Elternteile aus verschiedenen Nationen stammen? Fühlen sich Menschen mit Migrationshintergrund je vollkommen zugehörig zu einer der Kulturen?

Um das herauszufinden, habe ich meine Freundin Bella interviewt. Sie ist 22, ihr Name italienisch, ihre Mutter Deutsche und ihr Vater Portugiese. Er ist 1996 nach Deutschland migriert. Ich bin seit der 1. Klasse mit Bella zur Schule gegangen und kann guten Gewissens behaupten, dass Sprachen schon immer ihr Ding waren. Jetzt studiert sie Romanistik, genauer gesagt Französistik und Hispanistik. In ihrem Leben prallen also ganz verschiedene Kulturen aufeinander – vor allem natürlich die deutsche und die portugiesische. Genau dazu habe ich ihr ein paar Fragen gestellt.

Die meisten Menschen können sich am besten mit der Nation identifizieren, in der sie geboren sind (Quelle). Du bist in Deutschland geboren, aber dein Vater ist Portugiese. Was verbindest du mit Deutschland, was mit Portugal?

Darüber, was ich mit Deutschland verbinde, habe ich mir ehrlich gesagt noch nie so richtig Gedanken gemacht. Instinktiv würde ich Heimat sagen, aber das trifft es irgendwie nicht. Ich assoziiere mit Deutschland in erster Linie meine Mutter, meinen aktuellen Lebensmittelpunkt, meine Freund*innen, meine Kindheit und meinen Horizont, was Politik und Popkultur betrifft. Das klingt jetzt irgendwie sehr nüchtern, haha. Mit Portugal verbinde ich meinen Vater und meine ganze andere Hälfte der Familie, Sehnsucht und Fußball. Ach ja, und Weihnachten – weil es bei uns immer ein traditionell portugiesisches Weihnachtsessen gab.

Fühlst du dich beiden Kulturen gleich zugehörig?

Ich würde rein formell sagen, dass ich mich eher der „deutschen Kultur“ zugehörig fühle. Ich denke, das liegt eben vor allem daran, dass Deutsch meine Muttersprache ist und ich mein ganzes Leben in Deutschland verbracht habe. Ich kann mich trotzdem nicht festlegen, weil ich durch meinen Vater einen Zugang zur portugiesischen Kultur hatte und habe, vor allem durch portugiesischsprachige Medien, hauptsächlich Musik und Fernsehen. Es ist echt schwierig, weil ich zum Beispiel beim Fußball immer für Portugal und nicht für Deutschland bin. Ich glaube, damit will ich mir einen Teil meines Portugiesisch-Seins irgendwie bewahren. Mein Vater ist recht patriotisch und obwohl ich absolut kein Fan von Patriotismus bin, waren Trikots der portugiesischen Nationalmannschaft, eine portugiesische Fahne zu Hause und die Musik von Tony Carreira, die ich als Kind immer gehört habe, irgendwie eine kleine Verbindung zu dem Land, was mir immer sehr weit weg vorkam.

Ein Freigeist in Freiheit. Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade schreibe, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo am Wasser. Oder auf alten Zeitungen, um jede Menge Farbe auf unbeschriebene Blätter zu klatschen. Aber am allerliebsten lebe ich: la vida loca!