Cave-Syndrom: Die Angst, die eigene Höhle zu verlassen

Frau schaut aus einem Karton raus

Das Corona-Virus hat unsere Art zu leben gnadenlos auf den Kopf gestellt. Dank sinkenden Inzidenzen und zumindest in reicheren Staaten gut angelaufenen Impfkampagnen ist nun der Beginn der Lockerungen und ein gefühltes Ende der Einschränkungen eingeläutet. Während viele die neugewonnenen Möglichkeiten ohne große Überlegung nutzen, haben Mediziner*innen und Psycholog*innen bei vielen Menschen eine andere, ängstlichere Art und Weise mit der Öffnungssituation umzugehen festgestellt. Bezeichnet wird es als das Cave-Syndrom.

Seit Beginn der Pandemie wird von Psycholog*innen auf Folgen für die psychische Gesundheit hingewiesen, ob durch Vereinsamung, vermehrte häusliche Gewalt oder zunehmende Depressionen. Für viele der Lichtblick: Irgendwann ist die Pandemie vorbei und dann leben wir unser Leben wieder uneingeschränkt aus. Wie häufig hat man Sprüche gehört wie: „Wenn das alles vorbei ist, geh‘ ich auf jede Party“ oder „Die ganzen Umarmungen holen wir dann danach nach“? Aber was ist, wenn dieser Moment der Rückkehr zur Normalität keine Freude entfacht, sondern Befürchtungen und Ängste auslöst?

Was steckt hinter dem Syndrom?

Das sogenannte Cave-Syndrom (Höhlensyndrom) beschreibt das Gefühl, anstatt die neu zurückgewonnenen Freiheiten zu nutzen, aus anhaltender Furcht vor dem Virus lieber zu Hause, also in der eigenen Höhle, zu bleiben. Das Phänomen verdeutlicht die Bedenken und Angst davor, zurück zu einer gesellschaftlichen Normalität zu kommen, auch wenn ein schon ein vollständiger Impfschutz und zunehmend niedrigere Infektionszahlen vorliegen. Da man sich zusätzlich auch an die Einschränkungen weitestgehend gewöhnt hat, scheint das Cave-Syndrom ein Zustand zu sein, den zumindest in leichter Form jeder aktuell kennt. Laut einer Studie der American Psychological Association sagen nämlich unabhängig von ihrem Impfstatus 49 Prozent der Amerikaner*innen, sie würden sich bei dem Gedanken, wieder mehr persönliche Interaktionen einzugehen, unwohl fühlen, genauso wie 46 Prozent bei der Vorstellung, ihr Leben wieder wie vor der Pandemie zu leben.

Ein dauerhaftes oder vorübergehendes Phänomen?

Für große Überraschung sorgt die Entwicklung bei Expert*innen nicht, die Gefühle sind sogar ganz normal in Anbetracht der Lage. Alle mussten sich seit mehr als einem Jahr an ein Verhalten gewöhnen, das erstmal ganz unnatürlich war. Keine Nähe, keine Berührungen, Isolation und Verluste auf verschiedenste Art. Doch, obwohl es zunächst ungewohnt war, hat man sich inzwischen daran gewöhnt und in der Sicherheit der eigenen vier Wände vielleicht auch Gefallen gefunden.