„Clubhouse“: Der Wochenend-Hype

Wer am vergangenen Wochenende nur kurze Zeit an seinem Handy verbrachte, dem muss ein Name andauernd über den Weg gelaufen sein: „Clubhouse“. Was ist das? Muss ich es auch haben? Hier griff das „Fomo„-Phänomen – „Fear of missing out„, bloß nichts verpassen. Und so luden sich am 16./17.01.2021 explosionsartig tausende Deutsche die App herunter – zumindest die, die eine exklusive Einladung erhielten.  

Aber was ist „Clubhouse“ genau? „Clubhouse“ ist eine App, in der man live Menschen zuhören kann. Hierbei liegt die Betonung auf hören, denn die App läuft nur auditiv. Wie ein Podcast, nur eben live. Eine weitere Besonderheit ist, dass man sich auch in die Gespräche einmischen kann, indem man virtuell die Hand hebt. Die Hosts der jeweiligen Gespräche bzw. Events können dann auch Zuhörer*innen zu Wort kommen lassen und so entstehen spannende Diskussionen oder ein humorvolles Geplauder. Alle User*innen können theoretisch Events ausrichten. Dabei legen sie vorher bestimmte Themen fest, wie z. B. Ernährung, Karriere oder das letzte Spiel des 1. FC Köln. Jeder Mensch, den die Thematik und die Hosts interessieren, kann dann beitreten. Und es gibt spannende Menschen zu entdecken, denn „Clubhouse“ ist unterlaufen von viel Prominenz, was den Wochenendhype so richtig beschleunigt hat.  

Clubhouse im Appstore

Die App-Gründer aus dem Sillicon Valley setzten auf ein Geheimrezept: Exklusivität. Wie ein Lauffeuer breitet sich die App aus, jedoch nur für die, die von bereits eingeladenen Nutzer*innen wiederum eingeladen werden. Und genauso, wie sich die Menschen vor dem Berliner Berghain drängen, weil es eben exklusiv ist, ist „Clubhouse“ am Wochenende durch die Decke gegangen. Denn in der App wurden erstmals auch für Deutsche die Tore geöffnet. Da jede*r Nutzer*in nur begrenzt Einladungslinks vergeben kann, werden diese sogar im Internet verkauft. Gerade in Corona-Zeiten gibt einem dieser exklusive Club wohl einen Nervenkitzel.  

Doch schon nach ein paar Tagen scheint der Hype ermüdet. Die Tagesschau beklagt extreme Datenschutzmängel, denn es ist nicht klar, an wen die erhobenen Daten gehen. Außerdem erhält die App Zugriff auf das gesamte Adressbuch – schwierig, sagen Datenschützer*innen. Genauso laut sind die Stimmen der Menschen, die bereits auf „Clubhouse“ aktiv sind. „Ganz nett, aber warum der Hype?“, fragen sich viele.  

„Clubhouse“ kann also eine nette Ablenkung im langweiligen Corona-Alltag sein, bei dem Hype muss man jedoch nicht zwingend mitmachen; es ist kein Must-Download. Wer Podcasts mag, kann dort live spannenden Menschen zuhören, wie z. B. Sänger Olli Schulz, FDP-Vorsitzendem Christian Lindner oder TV-Legende Thomas Gottschalk. Und es gibt zahlreiche andere Talks, die sicherlich spannend sein können. Das Motto „Dabei sein ist alles“ kann man aber auch getrost außen vor lassen. Unser aller „Fomo“ ist unbegründet, denn allzu spektakulär ist es auf der Plattform dann doch nicht.  

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Bildquellen: App Store, GIF, Pexels; CCO-Lizenz

Als Kölnerin liebe ich jedes bunte, tratschige oder politische Thema. Daneben findet man mich auf der Yogamatte oder in der nächsten Eckkneipe, immer im Gespräch mit anderen Menschen.