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David, 19, ist Herr über 15 Völker

David umsorgt bei den Stadtbienen 15 Bienenvölker. Der Verein setzt sich für städtische Bienenhaltung ein. ZEITjUNG hat David zum Interview getroffen.

Anfang diesen Jahres sorgte das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ über die bayerischen Landesgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit. Das Thema Artenvielfalt und Artenschutz rückte mehr in den öffentlichen Fokus. In Zeiten von Greta Thunberg und Glyphosat-Protesten gibt es verschiedene Vereine und Organisationen, die sich für Artenschutz stark machen. Einer dieser Vereine ist „Stadtbienen e.V.„. Ein Verein, der Bienenhaltung in Städten unterstützt. David leitet Seminare bei den „Stadtbienen“, in denen Interessierte den Umgang mit einem eigenen Bienenstock lernen. ZEITjUNG hat sich mit ihm über Artenschutz, Stadtimkern und die 15 Bienenvölker, die er und seine KollegInnen versorgen, unterhalten.

Von der Bienen-AG zum Bienen-Experte

Insekten, sagt David haben ihn eigentlich schon immer interessiert. Das Spannende an Bienen, berichtet er begeistert, ist der Fakt, dass sie in komplexen und fast schon demokratischen Strukturen zusammenleben. Die Bienenvölker entscheiden alles im Kollektiv und im Konsens, eusozial heißt diese Lebensart. „Da können wir Menschen uns in Sachen Demokratie schon einiges abschauen“, sagt er und lacht. Über die Imker-AG in seiner Schule ist er letzendlich bei den „Stadtbienen“ gelandet.“Irgendwann ist ihnen ein Referent ausgefallen und mein Biolehrer, ein Freund und ich haben einfach den Kurs übernommen.“ Mittlerweile gibt er alleine Seminare und führt angehende Imker in die Kunst der Bienenhaltung in der Stadt ein. „Uns ist dabei die artgerechte und ökologische Haltung von Bienen wichtig. Es geht nicht um Honigmaximierung, sondern darum die Bienen als Volk zu unterstützen und zu umsorgen“, erläutert der 19- Jährige.

Bienen habens auf dem Land nicht leicht

Warum aber Bienen in der Stadt halten, wo es wenig Platz und viele Menschen gibt? „Bienen haben heutzutage auf dem Land sehr schlechte Chancen zu überleben. Dort gibt es diese großen Monokulturen mit hohem Pestizideinsatz. Bienen brauchen Nektar von Pflanzen und wenn im Umkreis von drei Kilometern Flugradius von einem Bienenvolk ausschließlich Rapsfelder sind, gibt es einen Monat lang, solange Rapsblüte ist, ein totales Überangebot. Den Rest des Jahres herrscht dort aber komplette Wüste und die Bienen haben keinerlei Nahrung.“

Zudem kommt ein anderes Problem, das sowohl Menschen als auch Bienen bedroht: der hohe Einsatz von sogenannten Totalherbiziden, besser bekannt unter dem Namen Glyphosat. Glyphosat ist der am meisten verkaufte Unkrautvernichter der Welt. Es vernichtet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie der Aussetzung des Herbizids standhält. Laut der Krebsforschungsagentur der WHO ist Glyphosat bei Menschen wahrscheinlich krebserregend. Außerdem ist es ein großer Beschleunigungsfaktor im voranschreitenden Artensterben. “ Es bringt nicht nur die Bienen um, sondern ruft auch sogannte subletale Folgen hervor: viele Untersuchungen legen Nahe, dass es die Orientierung der Bienen schwächt.“

In Städten sieht das hingegen anders aus: „In urbanen Gebieten ist im Vergleich eine große Vielfalt durch Parks, Gärten und verschiedenen Bepflanzungen gegeben. Bienen haben aufs Jahr gesehen ein viel größeres Nahrungsangebot. Ihnen geht es dadurch deutlich besser, das merkt man auch an den Honigerträgen.“ In der Tat, Großstädte wie Berlin und Hamberg verzeichnen jedes Jahr stolze Erntezahlen.

Fang‘ dir deinen Schwarm ein

Im Grunde kann jeder einzelne etwas dazu beitragen, dass Bienen und weitere Arten besser geschützt sind. David erklärt: „Am besten ist es, das Konsumverhalten massiv zu verändern. Weg vom Discounter hin zu Bio-Produkten und Selbstangebautem. Das ist natürlich kostspielig. Ansonsten kann man seinen Garten auch bienenfreundlich gestalten. Da gibt es Internetseiten, die genau erklären, welche Sträucher Bienen gut ernähren. Das größte Commitment ist natürlich sich einen Bienenstock zuzulegen.“ An sich ist es gar nicht so ein großer Aufwand sich ein Bienenvolk auf den Balkon zu holen: „Da gibt es spezielle Behausungen, die die Bienenhaltung überall ermöglichen. So ist „Stadtbienen“ überhaupt erst entstanden, unser Gründer Johannes Weber hat jahrelang an der sogannten Bienenbox rumgetüfelt, sodass es möglich war, Bienen sogar auf einem Balkon zu halten“. Ein Bienenvolk selbst kann man natürlich nicht im Zoohandel kaufen. Dafür gibt es andere Wege, die übrigens völlig legal sind: „Bienen schwärmen regelmäßig in einer Traube aus und suchen sich eine neue Behausung. Solche Schwärme darf man einfach einfangen und mitnehmen. Das ist legal. Um das eigene Bienenvolk übrigens einzufangen, falls sie ausgebüchst sind, darf man sogar Grundfriedensbruch begehen. In der Regel sind die Menschen ja auch dankbar, wenn man den Bienenschwarm aus ihrem Garten entfernt“, sagt David und schmunzelt.

Zeitliche Verpflichtung und Fachwissen

Bevor jetzt aber alle Bienen auf ihren Balkon stellen, warnt David vor einem unüberlegten Umgang. „Man muss sich bewusst sein, dass es eine zeitliche Verpflichtung ist. Gerade jetzt im Frühjahr gibt es sehr viel zu tun und da kann es auch Zeiten geben, in denen man nicht in den Urlaub fahren sollte. Zudem ist es mehr als ratsam, einen Kurs zu belegen, sei es bei uns oder bei einem fachkundigen Imker. Der richtige Umgang mit Bienen muss gelernt sein, außerdem arbeiten wir in den Kursen auch heraus, welche Arbeiten am Bienenstock es zu welcher Jahreszeit zu tun gibt. Bienen sind keine Haustiere. Um mit ihnen zu interagieren muss man sehr viel mehr auf seine Sinne achten. Zum Beispiel erkennt man am Geruch oder am Geräusch wie es dem Volk geht. Das ist eine ganz ungewöhnliche und interessante Art mit Tieren zu interagieren und das muss erlernt werden.“

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Bildquelle: Unsplash mit CCO Lizenz.

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