Die Gender Health Gap: Im nächsten Leben werde ich ein Mann

Drei Frauen schauen in die Kamera

Männer sind im Jahre 2021 gesamtgesellschaftlich gesehen immer noch die Norm. Daran ändern auch Frauenquote, geteilte Elternzeit und Events wie der Equal Pay Day erstmal relativ wenig. Denn die Problematik besteht nicht nur in Wirtschaft und Pflege, sondern auch in der Medizin. Über die Gender Health Gap und ihre Folgen.

Ich greife nach meiner Kaffeetasse, die auf dem kleinen Bistrotisch vor mir steht. Während ich trinke, bete ich, dass das Koffein mich an diesem etwas zu frühen Samstagmorgen wachrütteln möge. Wir sind in einem Café in Düsseldorf, der Abend war ungewohnt lang. Mir gegenüber sitzen Anne und Lena, in einem gleichermaßen maladen Zustand und beobachten, noch etwas entrückt, die erwachende Straße.

Lena geht es nicht gut. Seit Tagen hat sie Bauchschmerzen. Richtig blass wirkt sie. Auch gestern verabschiedete sie sich als erste. Sie müsse ins Bett, die Unterleibsschmerzen brächten sie um. „Ich hab einfach das Gefühl ich bekomme meine Periode, aber halt seit Wochen“, beschwert sie sich und zieht die Jacke noch etwas enger um ihre schmalen Schultern. „Schwanger kann ich nicht sein und sonst hat sich eigentlich auch nicht viel verändert.“ „Warst du mal bei deiner Frauenärztin?“, erkundigt sich Anne und steckt die Nase in ihre Tasse. „Ja, aber die meint, sie kann sich dieses Zyklusdrama momentan auch nicht erklären. Es kommen gerade wohl relativ viele Frauen mit ähnlichen Beschwerden in die Praxis. Ohne Witz, im nächsten Leben werd‘ ich ein Mann!“

„Meinst du, das könnte an der Corona-Impfung liegen?“, fragt Anne. Sie setzt sich auf, ihr Pharmaziestudentinnen-Hirn scheint nun komplett wach zu sein. „Ich hab da so eine Studie vom Paul-Ehrlich-Institut gelesen. Die sammeln aktuell Verdachtsfälle zum Zusammenhang zwischen der Impfung und Zyklusbeschwerden.“ „Pff, ja kann schon sein“, entgegnet Lena und verdreht genervt die Augen. „Aber was ändert das? Da nehm‘ ich trotzdem lieber die Bauchschmerzen, als mir auf den letzten Metern noch Covid zu fangen.“ Wir drei nicken einstimmig und winken den Kellner heran. Eine Tasse Kaffee reicht heute nicht aus.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.