Hassobjekt: Seminararbeiten – die letzte Hoffnung für alle, die sonst nichts können

Frau verzweifelt vor ihrem Laptop

Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum Atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann – da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der Reihe „Hassobjekt“ einfach freien Lauf und geraten überspitzt in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: Seminararbeiten.

Zwischen leeren Energy-Dosen und Schokoladenpackungen liege ich auf meinem Bett, den Laptop auf dem Schoß, am Rande der Verzweiflung. Draußen wird es langsam hell, ich schaue nach, wie spät es ist: kurz nach fünf Uhr morgens. Ich bin noch immer nicht fertig mit meiner verdammten Seminararbeit und frage mich langsam wirklich, weswegen ich diesen Schund eigentlich abgeben muss.

Im Ernst: Was erhoffen sich Dozent*innen davon, Studierende Hausarbeiten schreiben zu lassen? Ihr einziger Zweck scheint darin zu bestehen, Student*innen in den Wahnsinn zu treiben. Denn ganz logisch, objektiv und natürlich völlig unvoreingenommen betrachtet, haben Seminararbeiten einfach keinen Sinn.

Man kämpft sich mühevoll durch hunderte Studien, tausende Seiten Literatur, nur um letztendlich zu einem Schluss zu gelangen, den sowieso schon 50 andere Menschen ewig vor dir gezogen haben. Und Überraschung: Die haben alle viel mehr Ahnung als du, weil die tatsächlich in der Forschung tätig sind und für den Scheiß bezahlt werden. Und obwohl genau das natürlich allen klar ist – vor allem den Professor*innen selbst –, muss man sein billiges Geschreibsel irgendwie so verkaufen, als hätte man eine bahnbrechende Erkenntnis gewonnen.

Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade am Schreiben bin, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo an der Elbe. Oder auf einer Yogamatte. Oder an meinem Schreibtisch, um zu malen. Oder ich lerne Spanisch und lebe: la vida loca!