Frau die durch die Berge rennt

LiebesLeben: FOMO – Muss man wirklich alles ausprobieren?

Wo ist Schluss?

Die Frage lautet: Wo zieht man die Linie?

Und die Antwort ist: Es gibt keine. Oder bestenfalls eine kaum sichtbare und sehr flexible. Denn die Grenze verschiebt sich immer weiter.

  • Eigentlich wollte ich nie von einer Klippe springen, aber jetzt, wo ich schon vom Zehner gesprungen bin…
  • Eigentlich wollte ich nie koksen, aber jetzt, wo ich schon Ecstasy ausprobiert habe – warum nicht? (Keine Sorge, Mama, das ist nur ein fiktives Beispiel.)
  • Eigentlich wollte ich nie auf einen Kran klettern, aber Bouldern kann ich doch eigentlich ganz gut…

Das Prinzip ist klar, oder? Wir müssen uns fragen: Was wollen wir ausprobieren, weil wir einen intrinsischen Drang danach verspüren? Und wonach sehnen wir uns allenfalls, weil wir das Bedürfnis haben, uns selbst immer wieder zu übertreffen?

Ich habe einige Freund*innen, die ein eher unaufgeregtes Leben führen und die sich mit genau diesem Lifestyle auch wohlfühlen. Für sie scheint FOMO ein Fremdwort zu sein, oder sie höchstens sehr selten zu ereilen. Gelegentlich bin ich innerlich völlig fassungslos darüber, wie man so wenig reizsuchend sein kann, gelegentlich beneide ich sie aber zugegebenermaßen dafür.

Denn momentan habe ich das Gefühl, ein wenig im Sensation-Seeking-Sumpf zu versinken und eben nicht mehr klar unterscheiden zu können, was ich tatsächlich ausprobieren möchte und was nicht. Die Jagd nach besonderen Momenten und Menschen scheint zum Selbstzweck geworden zu sein.

  • Muss ich Tinder-Dates haben, wenn ich es einfach nicht fühle?
  • Muss ich ständig in eine neue Stadt ziehen, bloß um mich nirgendwo niederzulassen?
  • Muss ich im Suff mit Menschen schlafen, zu denen ich mich nur mittelmäßig hingezogen fühle, nur weil es alle anderen auch machen?