Maisie Peters: Zwischen Kinderzimmer und großer Bühne

Maisie Peters. Bild: Lillie Eiger-quer

Mit über 200.000 Followern auf Instagram und 3.700.000 monatlichen Hörer*innen auf Spotify ist die Singer-Songwriterin Maisie Peters aus England den meisten von uns bereits seit einiger Zeit ein Begriff. Nachdem die 21-jährige in diesem Jahr einen Vertrag bei Ed Sheerans Label Gingerbread Records unterschrieb und schon zuvor einige EPs, sowie Duette mit Sängern wie JP Saxe oder James Bay aufnahm, macht sich die kleine Frau mit der zarten Stimme und den großen Texten nun auf den Weg, alleine mit ihrem neuen Album „You Signed Up For This“, die Herzen und Ohren ihrer Fans zu erobern. Eins ist sicher, die ersten drei Songs des Albums haben schon mal Ohrwurm-Qualität und es scheint so, als nehme Maisie gerade erst Anlauf. ZEITjUNG traf sie zum Interview, um über das Texten, ihre größten Vorbilder und Nutella direkt aus dem Glas zu sprechen.

ZEITjUNG: Zunächst einmal: Es freut mich sehr, dich heute treffen zu dürfen! Für die Leute, die dich noch nicht kennen. Wer bist du und wie würdest du deinen Musikstil beschreiben?

Maisie Peters: Hey, mein Name ist Maisie Peters, ich bin 21 Jahre alt, komme aus England und lebe in London. Meinen Musikstil würde ich als eine Mischung aus Akustik, Folk und Pop bezeichnen.

ZJ: Cool, das klingt sehr nach dir. Okay, ich habe auf Instagram ganz weit zurückgescrollt und dein erster Post war tatsächlich ein Bild von einer Tüte Hummus-Chips. Ich habe das Gefühl, das muss erklärt werden.

Maisie: Oh ja, daran kann ich mich gut erinnern! Ich habe als Straßenmusikerin angefangen und eines Tages spielte ich ein paar Songs in Brighton, da war ich gerade 16 Jahre alt. Nach einem Lied kamen diese Mädchen auf mich zu, sie hatten kein Geld, aber dafür die Tüte Hummus-Chips. Also schrieben sie auf die Rückseite der Verpackung: „Du bist unglaublich gut, mach weiter so! Wir sehen dich sicher bald auf dem Musikfestival in Glastonbury!“ Das fand ich so nett. Und die Verpackung habe ich tatsächlich bis heute noch. Sie liegt in meinem Kinderzimmer im Haus meiner Eltern.

ZJ: Das ist echt eine süße Geschichte. Nun, von da aus bist du weit gekommen. Am 27. August erscheint dein erstes Album. Wie unterscheidet sich die Arbeit an einem Album von der Arbeit an einer EP?

Maisie: Es ist schon sehr anders. Ein Album bedeutet viel Arbeit. Man muss mehr Songs schreiben und es vereinnahmt dich viel mehr, als es eine EP tun würde. Man merkt schnell, dass man an einem größeren Projekt arbeitet, weil man nach dem roten Faden sucht. Du brauchst ein Thema und kreierst eine ganz neue Welt. Im Vergleich dazu ist eine EP nur ein winzig kleiner Teil dieser Welt. 

ZJ: Was war deine erste Reaktion, als du die Möglichkeit bekamst, einen Vertrag mit Ed Sheerans Gingerbread Records zu unterschreiben?

Maisie: Oh ja, das war sehr aufregend. Erstens bin ich natürlich ein großer Fan von Ed, ich denke, das sind wir alle. Er ist so ein toller Mentor, unglaublich großzügig und freundlich. Und mit jemandem wie ihm arbeiten zu dürfen, der so talentiert ist, ist natürlich ein großes Privileg. Ich lerne wirklich viel von ihm.

ZJ: Das glaube ich gerne! Musik ist aber nicht deine einzige Leidenschaft, du hast außerdem eine große Liebe für Bücher und auf Instagram sogar deinen eigenen Buchclub gegründet. Glaubst du, dass das Lesen einen großen Einfluss darauf hatte, wie du heute deine Songs schreibst?

Maisie: Ja ganz sicher! Ich habe immer schon viel gelesen und das merkt man auch in meinen Songs, denke ich. Die Art, Geschichten zu erzählen, habe ich bestimmt auch aus Büchern gelernt. Du möchtest die Charaktere kennenlernen, du willst wissen, wer sie sind und was sie machen. Du musst die Szenerie bestimmen, brauchst ein bestimmtes Setting. All das, was du in Büchern lesen kannst, das findest du sicher auch in meinen Songs.

ZJ: Du bist ein Genie, wenn es um das Erzählen von Geschichten geht. Hast du jemals darüber nachgedacht, Autorin statt Musikerin zu werden? Oder denkst du, dass dies in Zukunft eine Option sein wird?

Maisie: Hmm, gute Frage. Als ich ein Kind war, war das Autor*innenleben sicher ein Traum von mir. Und eines Tages würde ich das bestimmt gerne mal probieren. Aber aktuell bin ich definitiv noch zu ungeduldig dafür. Ich meine, Songs zu schreiben ist ja irgendwie auch, wie Bücher schreiben, nur sehr viel kürzer. Aber ja klar, irgendwann – wenn ich das Gefühl habe, mich auf ein so langes Projekt einlassen zu können, würde ich es total gerne mal ausprobieren.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.